Vom Mut kranker Menschen

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wenig erforscht ist, liegt seiner Meinung nach an meh­reren Faktoren. ,,Zum einen benötigen Sub­stanzen in der Anlage I des BtMG ein aufwen­diges Genehmigungsverfahren. Zudem stellt sich die Frage des Anbaus” Das Institut für on­kologische und immunologische Forschung in Berlin wusste beispielsweise lange Zeit nicht, so Grotenhermen, woher sie das Untersuchungs­material nehmen sollten. Ein weiteres Thema sei das mangelnde Interesse der Forscher und die schwierige Standardisierung der Präparate.

  • Hepatitis

Mögen auch noch so viele Betroffene von ihren individuellen Heilerfolgen mit Cannabis be­richten – Schulmedizin, Wissenschaft und Poli­tik nennen diese Erfahrungen gemeinhin „anek­dotisch” und sprechen ihnen ein Potential zur Verallgemeinerung ab – mit fatalen Folgen für den Einzelnen. Gesetze und tradierte For­schungsparadigmen führen dazu, dass in Deutschland keine systematische Erforschung der positiven Wirkungen des naturbelassenen Rauschhanfs existiert. Ein Skandal, wenn man denn so will, und so nimmt es kein Wunder, dass an allen Ecken der Republik erkrankte Le­bewesen die Gesetze ignorieren.

So auch Kurt aus Bremen. Er leidet seit 1995 an chronischer Hepatitis C, einer Entzündung der Leber. „Abgeschlagenheit, chronischer Durchfall und schnelle Ermüdbarkeit”, nennt er als Symptome. Neben der medikamentösen Be­handlung, einer sogenannten „Interferon Alpha Therapie”, versuchte es Kurt auch mit Marien­diestel – ohne Erfolg. Besserung trat erst auf, als er eine Kombinationstherapie mit Interferon, Pegintron und Rebetol aufnahm. Die Neben­wirkungen der Medikamente führten allerdings zu starker Appetitlosigkeit und Depression. So sollte Cannabis helfen und es half, wie der 38­jährige Mann erzählt.

Dies ist kein Einzelfall. In der Redaktion mel­deten sich drei Personen, die ihre Hepatitis C mit Cannabis behandeln. Karl aus Herne bei­spielsweise lindert damit nicht nur die Neben­wirkungen der Medikamente, inhalierter Mari­huanarauch führt bei ihm dazu, dass die typischen Symptome der Hepatitis, nämlich ständige Müdigkeit und Erschöpfung, einge­dämmt werden. „Nach dem Rauchen habe ich kaum noch Schweißausbrüche bei Körperbe­wegungen”, erzählt er. Alle drei bis vier Stun­den raucht Karl, 35, einen Joint, wobei die Dosis des Hanfkrauts niedrig ist: „Ich muss bei wei­tem nicht soviel rauchen, dass ich stoned bin ­am Tag komme ich mit einem Gramm Gras aus” Die Justiz hatte im letzten Jahr kein Ver­ständnis für den ungewöhnlichen Medikamen­tengebrauch von Karl. Ein Richter verurteilte ihn wegen des Besitzes von Cannabis zu einer Bewährungsstrafe.

  • Depression

Der Hanf als Stimmungsaufheller, als „Be­schwichtiger des großen Kummers”, wie es in Indien heißt, ist bekannt Gegen den Alltags­frust kann ein Pfeifchen helfen, wie sieht es aber mit wirklich schweren psychischen Beeinträch­tigungen aus? Zumindest bei Christine aus Hamburg half Cannabis, neben anderen Maß­nahmen, bei der Wiederentdeckung der Freude. Die Studentin litt lange an einer endogenen De­pression, sah nur noch wenig Sinn im Leben und fühlte sich in ihrem Körper gefangen. Sie berichtet: „Mit 18 bin ich aus eigenem Antrieb heraus zu einem Psychiater gegangen, der mir Fluctin/Prozac verschrieben hat. Die Wirkung hat auch eingesetzt und ich nahm die Welt ei­ne Weile mit einer rosaroten Chemiebrille wahr. Neue Wege haben sich mir dadurch nicht eröff­net” Später lernte Christine Cannabis kennen, kiffte viel und verdrängte mit exzessiven Kon­sum die Depression, ohne sich deren Ursachen zu nähern. „Es ist bestimmt nicht empfehlens­wert, nonstop breit zu sein, nur um sich nicht selbst begegnen zu müssen”, weiß sie heute. Trotzdem hält sie Haschisch für einen Schlüs­sel für ihre Gesundung. „Ich habe durch Kiffen und Tanzen gelernt, mich wieder um meinen Körper zu kümmern.” Der entscheidende Knack­punkt sei aber eine homöopathische Therapie gewesen. Noch heute raucht sie täglich, ist sich der Nebenwirkungen („Verpeiltsein”) zwar be­wusst, will aber noch nicht aufhören. Das Ver­hältnis zu ihrem Arzt ist gut: „Er wusste von Anfang an Bescheid über meinen außerordent­lichen Cannabiskonsum und hat betont, er ha­be da nix gegen, nur dass ich es benutzen wür­de, um was anderes zu überdecken, wäre nicht in Ordnung, womit er auch Recht hat” Trotz­dem sieht sie sich selbst heute als weitgehend gesund an. „Ich habe einen langen Weg hinter mir, doch heute atme ich ein, ich atme aus und bin, was ich bin”

  • Ergo

Um Irrtümer zu