Vom Mut kranker Menschen

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Wissenschaft wird die unspezifische Wirkung von Marihuana oder Haschisch hervorgehoben. Obwohl mittlerweile als gesichert gilt, dass die synthetisch hergestellten Hanf-Ersatzmittel mit diversen Nebenwirkungen aufwarten, sieht dieser Zweig der Forschung den Einsatz von Marinol und Dronabinol als die ultima ratio an. Naturnahe Pflanzenmedizin, die ihre Wirksamkeit gerade aus der Kombination diverser Bestandteile zieht, scheint diesen Forschern keine Alternative. Das Gegenteil beweist Olaf aus Wolfsburg, der be­reits im zweiten Lebensjahr an Morbus Crohn erkrankte.

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Verdauungstraktes, deren Ursachen weithin unbekannt sind. Es ist vermutlich eine soge­nannte Autoimmunerkrankung, wie beispiels­weise auch die Multiple Sklerose oder Rheuma Deshalb beschränkt sich die Therapie auf die Behandlung der Symptome und eine Hemmung der Entzündung durch Cortison und andere ent­zündungshemmende Mittel. Die Krankheit drückt sich durch immer wiederkehrende, star­ke Bauchkrämpfe, Durchfälle und Gewichtsab­nahme aus. In Deutschland schätzt man die Zahl der Erkrankten auf etwa 300.000. Olaf ist einer von ihnen.

„Seit dem Ausbruch der Krankheit habe ich Cor­tison bekommen, zunächst wenig, später bis zu 120 Milliliter täglich”, erinnert sich Olaf. Ne­ben dem Cortison wur­den Beruhigungsmittel verabreicht. Die Krank­heit verschlimmerte sich so sehr, dass sich Olaf mit 14 Jahren einer komplizierten Operation des Dickdarms un­terzogen hat Ein halber Meter des mit Ge­schwüren übersäten Verdauungsorgans wurde heraus geschnitten.

„Mit 16 habe ich dann zufällig mit Freunden Haschisch probiert und die Koliken verbesser­ten sich noch am selben Abend.” Zunächst glaubte er an einen Zufall, aber eine Wiederho­lung des Experiments zeigte wiederum die ent­krampfende Wirkung der Wirkstoffe des Can­nabis-Produkts. Was als netter Abend begann, wurde so zur Institution. „Ich rauche rund ein Gramm Haschisch vermischt mit Tabak am Tag”. Seine Eltern klärte er früh auf, sie reagierten gelassener als der damalige Arzt: „Der lief brül­lend durch die Praxis und rief: Mein Gott, ich habe einen Kiffer als Patienten”, erinnert sich Olaf amüsiert Seine aktuellen Ärzte können sich die Wirkung des medizinal eingesetzten Rauschhanfs nicht erklären, wollen die Anwen­dung aber auch nicht ablehnen. „Schließlich hilft es besser als alles andere zuvor”, sagt Olaf. Heu­te benötigt der 27-Jährige nur noch bei akuten Kolik-Schüben Cortison. „Dann aber auch nur noch 20 Milligramm:’ Insgesamt hätten sich, so Olaf, die Krämpfe, aber auch seine mentalen Probleme enorm verbessert:

„Seit ich Cannabis rauche, hat sich mein Leben in die richtige Bahn geleitet’

Die Wirkung von Cannabis beim Morbus Crohn beruht nach Ansicht von Franjo Grotenhermen „vermutlich sowohl auf der krampflinderndern als auch auf der entzündungshemmenden Wir­kung der Cannabinoide”.

  • Erbrechen

Methadon ist zur Zeit das Mittel der Wahl bei der Behandlung heroinabhängiger Menschen. Viele berichten aber von Übelkeit und Erbre­chen nach der Einnahme der Substanz. So er­ging es auch Nils aus Recklinghausen, der fünf Jahre lang Heroin konsumiert hatte, bevor er mit dem Ersatz-Opiat therapiert wurde. ‚Wenn ich Methadon morgens nahm, dann habe ich sofort gekotzt.” Eine Freundin erzählte ihm von der Wirkung von Cannabis, Nils probierte eine Tüte vor der Methadoneinnahme, und „mir war zwar immer noch leicht schlecht, aber kotzen musste ich nicht mehr”. Heute dosiert er sich mor­gens mit einem Joint mit rund 0,1 g gutem Haschisch. Abends kommt etwas mehr in die Tabak-Mi­schung, rund 0,4 g. „Blöd ist natürlich, dass ich morgens schon immer stoned bin. Ich stehe deswegen um 6 Uhr auf, damit ich nach dem ersten Rausch arbeiten kann”-

Der Herr Doktor von Nils sieht die gestiegenen THC-Werte des Patienten gelassen. Allen Methadonsubstituierten die kiffen, denen gehe es besser, soll er gesagt haben. “Wenn Cannabis legal wäre, würde mein Arzt mir das verschreiben”, behauptet Nils sogar. Ähnlich lässig reagierte vor einiger Zeit ein Polizist, der Nils mit etwas Haschisch in den Taschen erwischte. „Der hat nur kurz daran gero­chen und es mir wie­dergegeben” Ob es an Haschisch-Beikon­sum liegt oder nicht, zumindest ist Nils entschlossen, nie mehr Heroin zu neh­men.

Franjo Grotenhermen von der Arbeitsge­meinschaft Cannabis als Medizin (ACM) bemüht sich seit langem um die staatliche und gesellschaftliche An­erkennung von Hanf als Heilmittel. Dass die Wirkung von Cannabiskraut bislang so