Serious Seeds – White Russian

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Growexpertin Hanna Bliss hat schon viele der existierenden Cannabissorten auf ihre Schwächen und stärken In- und Outdoors getestet. In den folgenden Ausgaben wird sie von ihren Ergebnissen mit verschiedenen Cannabisklassikern und Neuzüchtungen berichten. Den Anfang macht eine legendäre und mehrfach ausgezeichnete Sorte von Serious Seeds

In den grünen Adern der White Russian fließt der adelige Pflanzensaft von Hanfsorten aus fast jedem legendären Ursprungsort dieser Erde. Schon aus diesem Grund, ist White Russian eine faszinierende experimentelle Kreuzung, die Neugier weckt. An der auswahl der Eltern ist zu erkennen, dass das hauptsächliche ziel darin bestand, eine extrem potente Pflanze im alchemistischen Versuchslabor entstehen zu lassen. Warum sonst, würden die Breeder ausgerechnet das „One-hit Wonder“ AK-47 mit der kraftvollen White Widow paaren? Die AK-47 erfolgt aus Kreuzungen von Cannabispflanzen beheimatet in kolumbien, Mexiko, Afghanistan, und Thailand. Zu diesem ethnischen Potpourri gesellt sich der indisch-brasilianische einfluss seitens der White widow. Und nun die spannende Frage: ist diese Mischung zum Chaos-Cocktail mutiert oder ist sie die königliche Geburt einer grossartigen Zeugung?

Um diese Frage zu beantworten, wurden ein paar Packungen Hanfsamen von Serious Seeds gekauft und „seriously“ getestet. Laut angaben der Seedbank hat White russian in holland, bei einem gross angelegten Vergleich von 150 Cannabissorten in Gewächshäusern, mit Messwerten von 22% THC als stärkste Sorte abgeschnitten. Um zu sehen, wie sich diese Sorte im Gewächshaus tatsächlich von der Konkurrenz hervorhebt, entschieden wir uns dafür einen ähnlichen – aber bescheideren – Test durchzuführen. die Keime wurden unter einer 400W Lampe in Erde gezüchtet mit der absicht, die jungen Pflanzen nach einem monat Vegativzeit im Gewächshaus in Blüte zu stellen. Gleichzeitig, befanden sich auch andere gute bis hochwertige Hanfsamen (wie Blueberry, Northern Lights #2, Mazar, Nebula, K2, usw.) im gleichen Verfahren, um sie mit der White Russian zu vergleichen.
Die Keimlinge brauchten zwei wochen um sich zu etablieren und mit dem vegetativen Aufbau zügiger voranzuschreiten. Diese Sorte besitzt deshalb nicht den typischen „Hybrid Vigor“, der sich durch extrem rasche vegetative Entwicklung bemerkbar macht. Nach dem verzögerten anfang, nimmt der Längenwuchs als erstes zu und bleibt weiterhin bis zur Hauptblüte betont. Wir mussten, trotz 18 Stunden Lichtzyklus, nicht lange auf die ersten Merkmale der weiblichen und männlichen Blütenansätze warten. Im Vergleich zu anderen sorten, zeigten die meisten White Russian nach 3 1/2-4 Wochen die ersten Blüten von selbst an, und blühten unvermindert fort während sie noch vegativ wuchsen. Bei der Auswahl einer Mutterpflanze war das einerseits hilfreich und andererseits verursachte die geringe Fotosensitivität einige Schwierigkeiten weil die Blütensätze, trotz Umstellung auf 22 Stunden Licht, sich ungebremst weiterentwickelten.
Nach 4 Wochen Vegetativzeit sieht eine typische White Russian immer noch schlank, und mit wenig Blattwuchs, etwas unterentwickelt aus. Das sollte aber nicht davon ablenken die Blütephase bald einzuleiten es sei denn, man hat vor eine sehr grosse Pflanze zu züchten, die eventuell beschnitten werden muss. In ubserem Experiment, blieben zwei Mutterpflanzen zurück, während die anderen weiblichen Exemplare in das Gewächshaus wanderten. die Blüte entwickelte sich kontinuierlich und auch die Seitentriebe bildeten schöne, kompakte Blütenstauden. Es gab eine bemerkenswerte höhere anzahl von weiblichen Pflanzen (65%) – dazu 10% ausgeprägte Hemaphroditen, die gleich in den ersten 8 Tagen der Blühphase auf dem Kompost landeten. an der Pflegeleichtigkeit und Entwicklung der Pflanzen gab es nichts zu bemängeln, bis wir unangenehm überrascht feststellten, das Spinmilben mit großem Vergnügen ihre Kolonien auf den Blättern ausbreiteten. Mittendrin zwischen den vielen anderen Hanfpflanzen, suchten sich Spinnmilben die White Russianj bevorzugt aus um sich niederzulassen und zu vermehren. Die Situation erforderte gründliche Behandlung mit Neemöl, welche aufgrund der geringen eigenen Abwehrkräfte von White russian gegen die Spinnmilben, in regelmässigen abständen bis kurz vor der Ernte wiederholt wurden. Durch diese Behandlung und dem Schädlingsbefall sind die Sonnenblätter an den ohnehin spärlich beblätterten Pflanzen allmählich vergilbt. Der Blütenentwicklung tat dies allerdings kein Abbruch! Nach 7 1/2 Wochen Blühphase bohen sich die zarten Seitentriebe unter ihrer Last.
Die geringen Abwehrkräfte und Start-schwierigkeiten der White Russian sind sehr wahrscheinlich auf genetische Ursachen zurückzuführen (ein bisschen „Chaos“ ist also doch entstanden). Dennoch gelang es den Pflanzen dank guter Pflege diese Probleme zu überwinden und sie enttäuschten nicht beim endergebnis. Zur Reife hin erreichten sie eine sehr einheitliche Grösse von ca. 100-110 cm und benötigten eine zentrale Stütze mit Bambusstöcken damit die Triebe nicht abknickten.
Von Serious Seeds ist das Erntedatum zwar ab 56 Tagen angegeben, aber diese Zeitrechnung wird im anbau mit Erde kaum zu erreichen sein. die Ernte konnte frühestens nach 60 Tagen an einigen Seitentrieben erfolgen und die Mehrzahl der Pflanzen blieb bis zu 70 Tage stehen. unter einer 50x Lupe schillerten die Kristalle immer noch hellglänzend bis milchig weiss zu diesem Zeitpunkt. Nach all den Mühen mit der Schädlingsbekämpfung, bescherten die ästethischen funkelnden buds – die wie Weihnachtskugeln an den Internodien sitzen – und die elegant geformnten Haupttriebe, eine besondere Freude. Obwohl die gut ausgefüllten, schweren Blüten vielversprechend aussahen ergab die Ernte, aufgrund der schlanken Form der Haupttriebe, ein durchschnittliches Trockengewicht von 25-28 gr. pro Pflanze. Mit Hydrokultur ist der Ertrag sicherlich steigerungsfähig.
Was an Gewicht ein bisschen mangelt gewinnt der Grower allerdings an qualität zurück. Angenehm neutral im Geschmack (erinnert etwas an White widow) und mit einem euphorisierenden, intensiven Sativa High hinterlässt White Russian keine Zweifel an ihren edlen Stammbaum. Von der Stärke her, darf sich White russian zu den anderen adeligen sorten im Test gesellen, enthront aber weder Kali mist noch super Silver Haze, die weiterhin das königliche Zepter unterinander teilen wenn es um die Stärke des High geht.

Fazit:
Eine Sorte der gehobeneren Klasse für schädlingsfreie Gärten.

Vorteil:
zeigt rasch Blüten an
geeignet für engen Anbauraum/Sea of Green (SOG)
für alle Anbaumethoden geeignet
hohes Blüten zu blätter Ratio
guter Qualitätsertrag mit durchschnittlicher Blütezeit

Nachteile:
geringe Wiederstandskraft gegen Spinnmilben
ersten Wochen fehlt kräftiger Wachstum
Mutterpflanzen neigen zur blüte (das sogenannte autoflowering)
Stecklinge von Mutterpflanzen vom Hanfsamen benötigen längere Zeit zum wurzeln