HEMPLOYED! HARTZ IV DEN FINGER GEZEIGT DIE HANFBRANCHE ALS ARBEITGEBER

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Einer der wichtigsten Gesichtspunkte zur Re-Legalisierung von Hanf ist der Effekt, den ein solcher Schritt auf den Arbeitsmarkt hätte. Doch auch zu Zeiten von Prohibition und Repression hat sich die Hanfbranche bereits eine beachtliche Nische geschaffen, deren wahre Größe man auf Veranstaltungen wie der Hanfparade oder Hanfmessen wie der Cultiva in Wien oder der Cannabizz in Prag nur erahnen kann. Wenn es um’s Gras geht, gibt es grundsätzlich zwei Arten, Geld zu verdienen: Legal oder illegal, wobei selbst innerhalb der EU die Grenze dessen, was vom Staat geduldet wird, sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Das beste Beispiel hierfür sind Hanfsamen, deren Status von absolut legal (Spanien, Niederlande, Österreich u.a) bis hin zu im höchsten Maße illegal (Deutschland, Frankreich, Griechenland u.a.) reicht. Die Hanfbranche bietet mittlerweile ein breites Spektrum an Arbeitsmöglichkeiten, wobei die Verdienstmöglichkeiten von eher bescheiden bis hin zu bombastisch reichen, ebenso verhält es sich dann aber auch mit dem Risiko. Ich möchte Euch

in dieser Ausgabe einen Überblick verschaffen, welche Möglichkeiten es gibt, sein Leben der illegaliserten Nutzpflanze zu widmen oder einfach professionell mit Hanf zu tun zu haben.

Anfangen möchte ich mit denen, die die Diskussion vor gut 40 Jahren ins Rollen gebracht haben, denen, die unermüdlich für eine grünere Zukunft kämpfen, ohne dabei in erster Linie an Profite zu denken. Den …
Aktivisten und Lobbyisten
Hierbei handelt es sich meist um Idealisten, die versuchen, Hanfpolitik in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Hanfaktivisten sind meist Lebensküns-tler, die es irgendwie schaffen, immer wieder Unterstützung für ihre Projekte zu organisieren. Meist werden diese Projekte von „szenenahen“ Firmen finanziert. Die Verdienstaussichten sind jedoch nicht berauschend, meist müssen Hanfaktivisten noch anderen Tätigkeiten nachgehen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Beispiele hierfür gibt es immer mehr, erwähnen möchte ich aufgrund ihrer herausragenden Leistung für Hanfgefangene an dieser Stelle lediglich die „Grüne-Hilfe“ sowie das Hanf Museum in Berlin. Das Team um Rolf Ebbinghaus hat es geschafft, staatliches Interesse an der Geschichte der Nutzpflanze zu erwecken und öffentliche Gelder zu beschaffen. Hier gibt es sogar die deutschlandweit einzigen Posten als Hanf-Museumsdirektor- und wächter!
Eine Ausnahmestellung unter den Hanfaktivisten nimmt der Deutsche Hanf-verband (DHV) ein.
Der DHV tritt als Firma offiziell für die Interessen von Firmen und Privat-personen ein, die Interesse an einer legalen, verbraucherfreundlichen Marktregelung für das Genussmittel Cannabis haben – von der Produktion über den Verkauf unter klaren Jugendschutzauflagen bis zum Eigenanbau. Der DHV will die Diskriminierung und Verfolgung von Cannabiskonsumenten beenden. Außerdem geht es uns um die Förderung des Rohstoffs Hanf in seinen verschiedenen Erscheinungsformen und bessere Bedingungen für die Nutzung von Cannabis als Medizin. Der DHV ist kein Verein, sondern arbeitet wie eine Firma gewinnorientiert, wobei die Gewinne natürlich wiederum für Legalisierungsarbeit eingesetzt werden. Der DHV pflegt direkten Kontakt zu Politikern, hilft bei Fragen zur Führerscheinregelung, gibt direkte Beratung bei parlamentarischen Debatten, erarbeitet verschiedene Konzepte zur Cannabislegalisierung, erstellt Wahlanalysen und -empfehlungen vor Bundestags- und Landtagswahlen und macht Öffentlichkeitsarbeit durch den Vertrieb von Büchern, Broschüren, Flugblättern sowie der Veröffentlichung von branchenrelevanten Veranstaltungen und von Pressemitteilungen, wobei er nach Kräften von den …

Hanfmedien
unterstützt wird. Auch Magazine, Zeitschriften und online-Formate zum Thema Hanf haben sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnten etabliert. Eine Menge engagierter Redakteure, Grafiker und Fotografen machen haupt- oder nebenberuflich das Thcene, das ihr gerade in den Händen hal-tet. Außerdem gibt es da noch die Pioniere von „Grow!“, unsere Freunde vom monatlich erscheinenden „Hanf Journal“ und natürlich die Jungs von exzessiv.tv, um nur die bekanntesten im deutschsprachigen Raum zu nen-nen. Zwar können die deutschen Hanfmedien und ihre Macher den ein oder anderen Euro durch Werbung oder gute, engagierte Artikel verdienen, verglichen mit den Mainstream-Medien ist deren Budget jedoch immer noch mehr als bescheiden.
Wie wird man „Hanf-Journalist“?: Die meisten unserer Mitarbeiter sind so genannte Quereinsteiger und kommen aus den verschiedensten Berufen, vom Diplomphysiker bis hin zum Zimmermann.
Es kommt lediglich auf ein wenig persönliches Engagement und den Spaß am Verbreiten der Message an. Außerdem sollte man natürlich die Deutsche Sprache in Wort und Bild beherrschen.
Kommen wir nun zu den klassischen Berufsbildern, die direkt oder indirekt von der illegalisierten Nutz- und Medizinalpflanze leben. Seit nicht einmal zwanzig Jahren gibt es wieder:

Faser)-Hanfbauern
Der wohl älteste Beruf in Sachen Hanf ist Bauer. Von denen gibt es seit der Wiederzulassung einiger EU-Faserhanfsorten mit einem THC-Gehalt von maximal 0,3 Prozent zwei Arten: Die legalen Nutzhanfbauern und die illegalisierten Grower, auf die ich später eingehen werde.

Die Nutzhanfbranche hat insgesamt in den vergangene Jahren stetige, wenn auch keine immensen Wachstumsraten zu verzeichnen, allerdings bewegt sich der Hanfanbau in Deutschland auf relativ niedrigem Niveau. Das liegt zum einen daran, dass wie in anderen Branchen auch, der Rohstoff oft aufgrund der hohen Kosten gar nicht in Deutschland, sondern in Drittländern wie China produziert wird. Doch gibt es durchaus Landwirte, die seit Jahren wirtschaftlich erfolgreich Hanf in Deutschland anbauen. Der wird oft als Dämmaterial für Häuser oder in der Autoindustrie genutzt, während die Samen zu hochwertigen Speiseölen verarbeitet werden. Hat man als Landwirt erst einmal eine Nische für (s)ein spezielles Produkt gefunden, so lohnt sich der Faserhanfanbau auch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Er ist auch nicht, wie oft behauptet, genehmigungs-, sondern lediglich zu Blütebeginn bis zum 15. Juni eines Jahres meldepflichtig. Voraussetzung ist eine Tätigkeit als Vollerwerbslandwirt. Hat sich ein Bauer entschieden, Hanf anzubauen, kommt mindestens einmal pro Jahr der „Hanfinspektor“ und kontrolliert, ob die angepflanzten Sorten auch wirklich den vorgeschriebenen THC-Gehalt von maximal 0,3% aufweisen. Die meisten Betriebe bauen Hanf nur nebenbei an, weil die Weiterverarbeitung und so die Abnahme großer Men-gen in Deutschland in ganz wenigen Regionen gewährleistet werden können. Allerdings gibt es auch Pioniere wie die Betreiber von Hanfzeit.com, die ausschließlich Hanf anbauen und die Produkte auch selbst weiterverabeiten, so dass sie auch vom Verkauf leben können, angelehnt an das Prinzip eines „Hofladens“.
Seit der Wiederzulassung von 17 EU- Hanfsorten wächst auch der Markt der Endprodukte, der im Wesentlichen aus drei Segmenten besteht:
-Hanf als Nahrungsmittel: Hanfsamen sind eines der gesündesten Lebens-mittel überhaupt, kein anderes Naturprodukt enthält so viele essentielle Omega-Fettsäuren. Egal ob als Riegel, als Hanfmilch, als Öl oder gar im Tierfutter – Hanf war nicht umsonst seit Menschengedenken fester Bestandteil der Nahrungskette.
Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich auch die verschiedenen Hanf-Biere, denen statt Hopfen THC-arme Hanfblüten zur Aromatisierung zuge-setzt werden.
Hanf als Klamotte: Angenehm auf der Haut, CO2 neutral und bodenfreun-dlich, nicht gen-manipuliert und fair produziert ist Hanf der Baumwolle weit überlegen. Leider nehmen sich das immer noch nicht genügend Menschen zu Herzen, ansonsten wären Firmen wie das Hanfkontor aus Frankfurt am Main, Hemp Hoodlamb aus Amsterdam oder der Adbuster-Hemp Sneaker aus London bereits Weltmarken.
Hanf als Baustoff: Hanf dämmt besser als viele herkömmliche Dämmstoffe und hat die schon erwähnten positiven Effekte auf Umwelt und Natur. Firmen wie die Hanffaser-Uckermark liefern Hanfbaustoffe bereits in größerem Umfang aus, selbst BMW verarbeitet Hanf in seinen neuen Modellen. ln Irland bietet die Firma hempbuilding.com regelmäßig professionelle Kurse an, wie sogar ganze Häuser vorwiegend aus Hanf konstruiert werden können. Gerade in diesem Bereich wären die Wachstumsaussichten immens, was jedoch fehlt sind die schon erwähnten kurzen Wege bei der Rohstoffverarbeitung, die einen größeren Marktanteil von Hanfbaustoffen weiterhin verhindern. Solange Hanf nicht wirklich großflächig angebaut wird, bleibt die Produktion der veredelten Produkte weiterhin teurer als die Produkte der oft umweltschädlichen Konkurrenz.
Und damit sind wir auch schon am Ende des Teils, der sich ausschließlich mit der legalen Variante des Hanfs beschäftigt. Ein weitaus größerer Teil derer, denen Cannabis ein Auskommen bietet, machen sich entweder selbst strafbar oder haben zumindest ständig mit Menschen zu tun, die aufgrund ihrer Lebensgewohnheiten vom Staat kriminalisiert werden. So wie z.B. die:

Growshopbesitzer/verkäufer
Ein gut sortierter Growshop bietet alles an, was man zum Grasanbau in den eigenen vier Wänden oder in der freien Natur braucht. Die ersten Grow-shops Europas gab es Ende der 1980er Jahre in den Niederlanden. Damals war der Hanfanbau selbst im größeren Stil in den Niederlanden kein allzu großes Problem und so entwickelten sich die ersten Growshops rasant, viele von ihnen wurden zu Großhändlern und haben sich nach neuen Märkten umgeschaut. Was lag da näher als Deutschland? Und so kam es, dass Deutschland und die Benelux-Staaten als erstes in den Genuss des niederländ-ischen Know-Hows kamen, die Schweiz folgte aufgrund der damals noch sehr liberalen Gesetzeslage fast zeitgleich.
Mitte der 1990er Jahre gab es dann in den erwähnten Ländern eine Art Growshop-Boom, der bis heute anhält. 2011 gibt es fast in jeder Kleinstadt mindestens einen Laden, der alles für den Heim(lich)-Gärtner anbietet. Obwohl jeder weiß, weshalb die Menschen in einen Growshop gehen, müssen die Inhaber und Verkäufer in Deutschland so tun, als wäre das Wort Grasanbau ein Fremdwort für sie. Hält man sich als Inhaber eines solchen Ladens penibel an die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln (Kein Weed im Laden, kein Anbau zu Hause, etc.), so kann man als Growshopper durch guten Kundenservice durchaus einen bescheidenen Wohlstand erarbeiten, ohne einen Konflikt mit dem Gesetz zu riskieren. Neben Anbauequipment braucht man natürlich auch noch Geräte, um die Ernte zu genießen. Die gibt es dann beim:

Headsopbesitzer/verkäufer
Der unterliegt ähnlichen Mechanismen wie die Kollegen aus dem Growshop. Headshops gibt es bereits seit den 1970er Jahren, wobei der Heidelberger Hanfszene der frühen 1970er Jahre hier eine Pionierrolle zuzuschreiben ist. Die verkauften Produkte sind zu 100% legal, doch wehe man rät den Kunden, mal ordentlich Weed ins Köpfchen zu stopfen. Da könnte der Staatsanwalt hellhörig werden. Gab es in den 1980er und 1990er Jahren einen regelrechten Headshop-Boom, so ist die Entwicklung hier leicht rückläufig. Viele ehemals „reine“ Headshops bieten mittlerweile auch Growausrüstung an, weil man mit Pfeifen, Bongs und Kifferuntensilien in Zeiten des World Wide Web oft nicht mehr überleben kann.
Natürlich wachsen all die Pfeifen und Lampen nicht am Baum und so gibt es auch Firmen, die sich auf die Herstellung von hanffreundlichen Produkten spezialisiert haben:
Die Produzenten von Pfeifen, Leuchten & Co
Allein in Deutschland gibt es annährend zehn Glasschmieden, die sich ausschließlich der Herstellung von Glaswasserpfeifen zum Cannabiskonsum widmen. Jointpapers sind in Belgien und Spanien ein Big Business, auch viele Kleinbetriebe leben mittlerweile von der Herstellung hochwertiger, spezieller Rauch- oder Inhalationsgeräte, dazu kommen Containerladungen voller Paraphanalien aus Fernost. Nicht zu vergessen sind die Vaporizer-Produzenten, allen voran Storz und Bickel mit dem Volcano: Sie haben es geschafft, ein Nischenprodukt, das ursprünglich zur rauchfreien Inhalation von Cannabis entwickelt wurde, als medizinisches lnhalationsgerät zu etablieren, das höchsten Ansprüchen genügt. Das damit verbundene Wissen über Cannabis als Medizin hat bereits viel Menschen zum Umdenken angeregt sowie eine Menge Raucher von einer ungesunden Angewohnheit befreit.
Auch beim Growequipment ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten: Anfangs waren es fast ausschließlich die gleichen Hersteller, die vor dem lndooranbau von Hanf auch riesige, niederländische Gemüsefarmen mit Leuchtmittel, Absauganlagen und Spezialdünger beliefert hatten. Die Leuchtmittel stammen auch heute noch aus den Produktionsstätten führender Weltmarken, beim Rest hat mit den Jahren eine zunehmende Spezialisierung stattgefunden: In den späten 1980er Jahren fingen erfolgreiche Weedbauern an, ihr notgedrungen illegal erarbeitetes Geld zu säubern und „anständig“ zu werden, indem sie legale Produkte zum Hanfanbau verkauften. Peu á peu entwickelte sich daraus das, was man heute unter „Growshopszene“ versteht: Fertigsysteme, spezielle Nährsubstrate und alles nur Erdenkliche, was hilft, den Ertrag in der eigenen Box zu steigern. Seitdem der Anbau zu Hause boomt, gibt es immer mehr ambitionierte Hersteller, die Produkte entwerfen, um ganz gezielt die Anbautechnik für Weed zu optimieren. Oft handelt es sich bei solchen Tüftlern um ehemalige Grower, die das natürlich nicht zugeben dürfen. Doch auch hier gilt, ähnlich wie im Grow- und Headshop: Nach außen hin ist alles für den Gemüseanbau oder für Tabakfreunde, selbst die Erntemaschine für fette Buds, die Naschpresse oder die Riesenbong ist offiziell nix für Hanfreunde.
Sehr viele Neuentwicklungen in dieser Richtung kommen aus den USA, wo es aufgrund der Legalisierung von Cannabis als Medizin in vielen Bundesstaaten legale Grows gibt. Die Legalität eröffnet dort oft ganz neue, kreative Horizonte.

Doch um Gras überhaupt anbauen und somit auch rauchen zu können braucht man Samen. Die gibt es fast in ganz Europa bei:

Samenbanken und Samenhändlern
Samen sind in den meisten EU-Ländern legal, Deutschland bildet da mit wenigen anderen eine unrühmliche Ausnahme. Je nach Gesetz-eslage dürfen die Samen jedoch nicht eingepflanzt, geerntet oder zur Blüte gebracht werden, die Bestimmungen sind vielfältig, haben jedoch eines gemein: Sobald man fette Blüten anbaut, wird aus einem legalen Samen eine illegale Pflanze. Trotzdem ist die Zahl von Samenhändlern- und banken explosionsartig angestiegen, mittlerweile ist es schwer, den Überblick zu wahren. Gerade hier verhindert die Illegalität des Endprodukts eine ausreichende Kontrolle über das Ausgangsprodukt: Wer beschwert sich schon, wenn die Samen nicht halten, was sie versprechen? Auf dem Samenmarkt tummeln sich viele schwarze Schafe, die mit falschen Angaben zu Ertrag, Geschlecht, Generation, Blütezeit oder Sorte ungestraft eine Menge Reibach machen. Die Produzenten, die viel Zeit und Liebe in die Entwicklung einer neuen Sorte investieren, leiden darunter, was sich letztlich auf die Qualität und Sortenvielfalt des Weeds für den Endverbraucher niederschlägt. Doch hier Transparenz zu fordern wäre utopisch, denn jede Samenbank muss mit Leuten zusammenarbeiten, die bei zu viel Offenheit in den Knast wandern würden, weil sie mit blühenden Pflanzen hantieren …

Die Breeder
Sind sozusagen das Bindeglied zwischen illegalen Hanfbauern und dem legalen Samenhandel. Denn ohne eine ausreichende Anzahl blühender Hanfpflanzen kann man keine Sorten entwickeln. Eine neue Sorte zu entwickeln kostet viel Arbeit, Platz und Zeit. Bis vor wenigen Jahren ließen die großen Samenbanken fast ausschließlich in den Niederlanden züchten, doch mit zunehmender Repression haben sich selbst die niederländischen Samenbanken dazu entsch-lossen, ihre Breeder in anderen Länder arbeiten zu lassen. Dort, wo die Behörden und Gesetze nicht so streng sind. Orte zu nennen wäre den beteiligten Personen nicht dienlich. Breeder tragen ein sehr hohes Risiko, da sie auf eigene Faust arbeiten müssen, ein Auftrag einer Samenbank wäre aus nachvollziehbaren Gründen fatal. Doch für das hohe Risiko gibt es dann auch eine finanzielle Kompensation, bei einem Samenpreis von bis zu 20/Euro das Stück wird die zugegeben harte Arbeit nicht schlecht entlohnt. Ähnlich verhält es sich mit dem kleine Bruder des Breeders, dem:

Grower
Hierbei handelt es sich um Menschen, die illegal Hanf anbauen. Ent-weder, um ihren eigenen Bedarf zu decken oder um Geld zu verdienen. Oder beides. Die meisten Indoorgärtner bauen Weed zu Hause an, um den Mechanismen des Schwarzmarkts auszuweichen und bezahlen so etwas weniger für ihr Gras als es auf dem Schwarzmarkt kosten würde, wenn man die Strom- und Hardwarekosten berechnet. Ein erheblich kleinerer Teil baut Hanf in größeren Räumen an, um ihn weiterzuverkaufen. Die Verdienstmöglichkeiten sind relativ gut, werden aber auch oft überschätzt. Unkosten und Aufwand erweisen sich oftmals viel höher als anfangs erwartet.
Das Risiko schwankt je nach Anbauort zwischen „gering“ und „sehr hoch“, mit den Strafen verhält es sich ähnlich.
Die meisten Grower bauen blühende Pflanzen an, einige wenige haben sich auf die Zucht von Stecklingen spezialisiert. In Österreich ist die Stecklingszucht gar legal. Auch die Zucht von Stecklingen kann sich schnell als wirtschaftlich sehr lohnenswert herauskristallisieren, wobei die Strafen aufgrund des fehlenden oder sehr geringen THC-Gehaltes weniger drastisch ausfallen als die für die Zucht blühender Pflanzen.
Eine Ausnahme bilden die legalen Grower: In den Niederlanden baut die Firma Bedrocan Cannabis für Apotheken, an, auch in Kanada gibt es ein staatliches Anbauprogramm und in einigen Staaten der USA dürfen Privatleute eine Lizenz erwerben, um Patienten mit selbst angebauten Cannabis zu versorgen.

Auch in den klassischen Anbauländern wie Marokko, Afghanistan oder Mexiko gibt es eine Menge Grower. Doch laufen die Geschäfte dort nicht in hellen, geschlossenen Räumen, sondern vor den Augen aller ab. In den Anbaugebieten dieser Länder hat Cannabis den Status des wichtigsten Agrarprodukts, von dem ganze Bevölkerungsgruppen leben. Auch 40 Jahre Drogenkrieg haben das nicht geändert. In den meisten klassischen Anbauländer wird weiterhin munter Gras angebaut, getrocknet und verkauft, meist an einen:

Cannabis-Fachverkäufer
Der umgangssprachlich als „Dealer“ bekannte Fachverkäufer hat zumindest offiziell überall schlechte Karten. Am besten geht es ihm noch als Angestellten eines niederländischen Coffeeshops, weil der Staat ihn zumindest in einem sehr eng gesteckten Rahmen duldet. Ähnlich verhält es sich mit den Angestellten einiger US-Hanfapotheken, doch abgesehen von wenigen Ausnahmen geht es Hanfverkäufern weltweit an den Kragen. Je höher allerdings die investierte Summe wird, desto geringer werden die Aussichten, je erwischt oder bestraft zu werden (Der „Bakschisch-Faktor“). Die Gewinnspannen sind sehr groß, das Risiko für Kleindealer jedoch ungleich hoch. Die Strafen sind in den meisten Länder ungesünder und gefährlicher als Hanf. Natürlich gibt es beim Dealer auch oft das gute Hasch aus Woherauch-immer. Das bringt einer, der überall auf der Welt gleichermaßen präsent ist und verfolgt wird:

Der Schmuggler
Der bekannteste Vertreter dieser Spezies, Howard Marks aka Mr. Nice, hat uns gerade mit seiner cineastischen Biografie in bester Hollywood-Manier beglückt. Howard hat schon vor fast zwei Jahr-zehnten beschrieben, wie es hinter den Kulissen des Big-Ganja-Buisness abläuft. Daran hat sich wenig geändert, lediglich die Wahl der Mittel ist heutzutage drastischer. Während Haschisch von reichen Europäern meist per Schnellboot von Marokko nach Spanien transportiert wird, haben sich die mexikanischen Kartelle an der Grenze zu Kalifornien und Mexiko als sehr erfindungsreich erwiesen: Sie feuern Weed und Koks mit mittelalterlich anmutenden Katapulten über die Grenze zwischen Arm und Reich, bauen Mini-U-Boote und sogar Panzer, um die Oberhand im „War an Drugs“ zu behalten. Wer den Schwarzen aus Afghanistan bringt ist nicht ganz klar, allerdings verfügen die vom Westen beschuldigten Taliban gar nicht über die notwendige Logistik. Die Transportwege von und nach Afghanistan kontrollieren die NATO-Truppen oder deren Verbündete vor Ort, konsumiert und verkauft wird es in Europa und Nordamerika. Wirtschaftlich sieht es für den Schmuggler ähnlich aus wie für den Kollegen Fachverkäufer: Je höher die investierte Summe wird, desto geringer wird das Risiko, erwischt oder bestraft zu werden. Die Gewinnspannen sind sehr groß, das Risiko ist hoch.
Wahrscheinlich hat auch schon die/der ein oder andere Leser/in erfolgreich auf diesem Gebiet agiert, wenn auch im Grammbereich und ohne finanzielles Interesse. Doch auch ein kleiner Selbstversorger, der sein Gras nicht gut genug versteckt, ist in den Augen des Gesetzes ein Kollege von Mr. Nice.
Fazit: Eine stetig wachsende Zahl von Hanfliebhaber/innen hat es trotz oder auch gerade aufgrund des Hanfverbots ermöglicht, dass sich immer mehr Menschen mit und durch Cannabis eine Lebensgrundlage schaffen. Einige davon illegal, viele mittlerweile auch legal. Doch das riesige Potential, das die Hanfpflanze eben auch für unsere strauchelende Weltwirtschaft sowie zur Beendigung des „War an Drugs“ hätte, kann erst ausgeschöpft werden, wenn Menschen aufgrund ihres Umgangs mit der Hanfpflanze nicht mehr kriminalisiert und oft sogar weggesperrt werden. Momentan sind nur die Mutigsten auf der Spitze des Eisbergs zu sehen, der darauf wartet, endlich seine wahre Größe zeigen zu können: Nach Schätzung der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) würde eine Cannabisregulierung 35-60 Milliarden Euro in die leeren Kassen der EU-Mitgliedsstaaten spülen.