Gut selektiert läut's wie geschmiert

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Es gibt prinzipiell zwei Varianten, Gras anzupflanzen: Aus Samen oder aus Stecklingen. Beide Möglichkeiten haben ihre Eigen­heiten und Vorzüge, die Zucht aus Samen ist unkomplizierter und der ambitionierte Heimgärtner kann bei der Verwendung von feminisierten Samen ohne großen Aufwand eine große Sortenvielfalt auf kleinem Raum unterbringen. Die Verwendung von Stecklingen hat ebenso viele Vorteile: Man muss nur einmal Samen kaufen, um eine potente Mutterpflanze groß zu ziehen, das Wuchsbild von Stecklingen ist gleichmäßiger als das von Sämlingen und der Ertrag deshalb meist besser, weil alle Pflan­zen während des gesamten Zyklus den gleichen, optimalen Abstand zur Lampe und die gleichen Ansprüche in Sachen Dünger, Zusätze, pH und eC-Wert haben. Besonders in Ländern, in denen Samen verboten sind, hat sich der Anbau mit und von Stecklingen etabliert, in Österreich sind Stecklinge gar legal und werden dort auch eifrig zur Aromatherapie genutzt. Wie man die in Growerkreisen genannten “Steckis” am besten hin­bekommt, haben wir schon mal erklärt, eine kurze Zusammen­fassung gibt es trotzdem. In diesem Artikel geht es um die Grundlage für jede Stecklingszucht, die Mutterpflanzen.

Setzt man Hanfpflanzen 18 Stunden oder mehr dem Licht aus, so fangen sie nicht an zu blühen, sondern wachsen immer weiter. Diese Pflanzen kann man dann ungeschlechtlich vermehren, indem man vereinfacht gesagt einen Trieb abschneidet und eintopft. Solche Pflanzen, von denen man Stecklinge (die oft auch Klone genannt werden) schneidet, werden in Fachkreisen Mutterpflanzen genannt. Nicht nur Hanfzüchter vermehren ihre besten Pflanzen so, auch viele Hobby- oder Profigärtner verfahren mit Basilikum, Tomaten, Paprika oder vielen anderen Nutz-oder Nahrungspflanzen genauso. Das Prinzip ist das gleiche wie bei Hanf. Die Zucht einer guten Mutterpflanze bedarf einer ausführlichen Vorbereitung. Denn selbst gute Samen aus dem Fachhandel enthalten meist nicht fünf, zehn oder fünfzehn Samen, aus denen Pflanzen mit den gleich guten Wuchseigenschaften hervorgehen. Es gilt also, die beste, zur Verfügung stehende Pflanze aus den Saatgut zu selektieren, damit diese Pflanze dann als Grundlage für zukünftige Zuchter­folge dienen kann. Doch zuerst geht es darum, eine Box oder eine Kammer als Stellplatz fertig zu stellen.

Die Kammer

selektiert02Eine Fläche von 0,4- 0,7 m2 bei einem Meter Höhe ist völlig ausreichend für eine kleine Mutti-Kammer. Auf gute Belüftung kann jedoch auch hier nicht verzichtet werden. Gut geeignet ist auch das kleinste Model der Homebox, die Homebox XS. Das eigentliche Modell für die Stecklinge, die Clonebox, ist für den Hobbyzüchter eine Nummer zu groß, denn hier passen bis zu 500 Stecklinge rein. Für die Beleuchtung gibt es eine echte Neuheit auf dem Leuchtmittelmarkt, ein Energiesparleuchtmittel mit 110 oder 150 Watt ( T5- CFL-Armatur) die hat sich als optimal für eine Große oder bis zu fünf kleine Mutterpflanzen erwiesen. Oft reicht es, die Stecklinge neben die Mutterpflanze, in einem etwas größeren Abstand zum Leuchtmittel zu stellen. Lässt die Räumlichkeit das nicht zu, so sollte pro kleinem Gewächshaus eine 18 Watt, pro großem Gewächshaus eine 36 Watt CFL Röhre mit Lichtfarbe 840 (cool white) angebracht werden.

Natürlich kann man eine vegetative Kammer auch mit einer Metall-Halogen Lampe betreiben, die meisten Grower sind aber aus Energiespar-und Hitzegründen dazu übergegangen, Energiesparleuchtmittel zu nutzen. In der vegetativen Phase sind hierdurch keine Einbußen zu erwarten, in der Blüte hingegen gibt es immer noch kein Leuchtmittel, das der Natriumdampflampe das Wasser reichen kann.

Zur Belüftung reicht bei der Verwendung von CFL-Leuchtmitteln ein kleiner Rohrventilator vollkommen aus, als Faustregel gilt hier: Die halbe Lampen­leistung entspricht der benötigten Lüfterleistung. Beispiel: Bei einem 110 Watt CFL-Leuchtmittel würde ein Lüfter mit 55m3/Stunde ausreichen (110 x 1/2= 55). Ein Filter ist, anders als viele meinen, auch in der Mutterkammer notwendig. Zwar stinkt es nicht die ganze Zeit nach Gras, aber viele Sorten riechen nach dem Schneiden von Stecklingen extrem nach Weed, außerdem verströmem die Pflanzen zu jeder Zeit den typischen Zimmerpflanzengeruch, der in einem Raum ohne Fensterpflanzen dann doch auffallen könnte.

Natürlich braucht man für eine Mutterkammer auch eine extra Zeitschaltuhr, da Mutterpflanzen eine Beleuchtungszeit von 18-24 Stunden benötigen. Einige Sorten fangen bei 18 Stunden Beleuchtung schon an, Mini-Blüten zu bilden, was so manchen österreichischen Stecklingszüchter in Konflikt mit der dortigen Staatsanwaltschaft