Drohnen! Drohnen! Überall Drohnen!

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»strategischen Lücken« aufhalten. Privatsphäre und Anonymität sind zu seltenen Ressourcen geworden, und sie werden bald nur noch eine schwache Erinnerung sein, ein Echo aus einer Zeit, in der die Polizei nur konkret ermitteln durfte — nicht pauschal.
Es gibt eine Kernerkenntnis zum Leben in einem Rechtsstaat, die jeder Privatkriminelle in seinem Leben früher oder später hat verstehen müssen: Du bist technisch gesehen so lange unschuldig, bis deine Schuld einwandfrei bewiesen wurde — selbst wenn du weißt, dass du schuldig bist wie die Hölle. Darum haben wir Grundrechte wie die Unverletzbarkeit der eigenen Wohnung doch überhaupt erst: Der Staat kann dich ficken, aber er muss erstmal einen Richter aus dem Bett klingeln, der das Ganze bewilligt. Zu hoch sind die selbst auferlegten Hürden:
Durchsuchungsbefehle, begründbare Tatverdachte, Unschuldsvermutung.
Das alles macht die Verbrechensbekämpfung extrem ineffektiv, zumindest aus Sicht der Strafverfolgungsbehörden. Und dann versetz dich einmal in die Lage eines gestressten Polizei-präsidenten, von dem gefälligst Ergebnisse erwartet werden: Dein Budget schrumpft von Jahr zu Jahr; du kriegst keine neuen Mitarbeiter bewilligt, die alte ersetzen können; dauernd musst du Hundertschaften deiner Leute auf Überstundenbasis quer durch’s Land entsenden, nur damit sie Bodyguard spielen können bei irgendeinem weiteren Skandal, gegen den der Mob demonstriert … die Moral ist im Keller; deine Frau sieht dich kaum noch & deine Kinder nutzen deinen Status so unverschämt zu ihrem eigenen Vorteil wie die degenerierten Gören von chinesischen Parteibonzen … und dann legt dir ein lokaler Rüstungskonzern einen Prospekt auf den Tisch, das alle deine Gebete zu erhören scheint: Drohnen!
Warum solltest du auch gleich zwei teure Polizisten in ein Auto stecken, das mehrere Hundert Euro Sprit pro Woche schluckt, nur damit sie dein Gebiet aus der Froschperspektive patrouillieren – wenn du sie doch genauso gut von ihrem Schreibtisch aus auf beliebig viele fliegende Kameras zugreifen lassen kannst, um Verbrecher auf »Minority Report«-Art zu jagen. Der Steuerzahler wird dir dankbar sein, die Aufklärungsraten werden durch die Decke schlagen, Terror, Kriminalität und Elend werden enden und bis 2018 wird die gesamte Bundesrepublik sicherer und sauberer sein als das Euro-Disney-Land. Zu-mindest in der Theorie.
Wir haben die Technologie, wir haben die Mittel …
Wie die meisten technischen Wunder und Schrecknisse unserer Zeit beginnt die Geschichte der Drohne im kalten Krieg. Bereits seit den 196oer Jahren haben billige, oft als Einweg-Geräte konzipierte Fluggeräte den Geheimdiensten dieser Welt gute Dienste erwiesen. Sie waren leicht zu transportieren, relativ preiswert im Vergleich zu anderen Flugsystemen, zuverlässig und leise. Doch erst die Kriege in Afghanistan und Irak haben diese Waffenkonzepte in die erste Reihe der modernen Kriegswahrnehmung katapultiert. Die Überwachung riesiger, unbesiedelter Gebiete, die gezielte Peilung nach individuellen semiautomatischen Drohnen und Sonden zu legen.
Heute beinhaltet der Überbegriff der militärischen Drohne — oder UAV, »Unmanned Aerial Vehicle«, wie die Industrie sie aus Image-Gründen lieber nennt, jede denkbare Größe, Konfiguration und Ausstattung: Von nur wenigen Kilogramm schweren Kameraträgern, die an Helikoptermodelle erinnern, bis zu riesigen, autonomem und aus der oberen Atmosphäre filmenden Spionageflugzeugen, deren Flügelspannweiten mit der von Passagierflugzeugen mithält. Von einfachen Aufklärern, die Live-Video senden, bis zu todbringenden Killern, die Kurzstreckenraketen feuern oder sich gleich selbst in einer Art Kamikaze-Angriff opfern.
Und wie in jedem Krieg gibt es Profiteure teure dieses neuen Trends: Eine ganze Industrie von alteingesessenen Waffenfirmen und hippen jungen Start-Ups hat sich auf diesem neuen Markt eingerichtet. Und nun, mit einem endgültigen Truppenabzug der USA aus den Golfregionen in greifbarer Nähe, sehen sich diese Unternehmen nach neuen Anwendungsgebieten für ihre Gerätschaften um. Es ist das gleiche Phänomen wie nach jedem Krieg: All die verpulverten Forschungsgelder müssen amortisiert werden. Also, warum nicht so tun, als könnte man (login oder registriere dich um links zu sehen)auch dieses Schwert zu Pflugscharen machen?
Der Himmel über Berlin
Es ist folglich in diesem bewusst unternehmerfreundlichen Tonfall, mit der die Bundesregierung ihr plötzlich erwachtes Interesse an unbemannten Fluggeräten begründet. Der zivile Anwendungsbereich dieser Technologie scheint ja auch unbegrenzt zu sein: Techniker in Fukushima ermitteln mit ihnen die Strahlungswerte in unzugänglichen Teilen der zerstörten