Drohnen! Drohnen! Überall Drohnen!

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In der letzten Sitzung vor Weihnachten 2012 setzte der deutsche Bundestag relativ unbehelligt ein neues Gesetzesvorhaben in Gang, das Kritiker mit namenlosem Schrecken erfüllte: Mit dem »Vierzehnten Gesetz zur Änderung des Luftverkehrsgesetzes« soll erstmals auch für Deutschland die juristische Grundlage für den Einsatz von unbemannten Flug-Drohnen geschaffen werden. Offiziell natürlich nur, um das wachsende Interesse der Wirtschaft an diesen Geräten zu befriedigen — doch in Wirklichkeit geht es auch darum, endlich die polizeiliche Verwendung dieser fliegenden Spione auf eine legale Grundlage zu stellen.

An einem sonnigen Frühlingsnachmittag im Jahr 2010 startete in einem Vorort von Rotterdam der revolutionäre CannaChopper zu seinem Jungfernflug. Unter eifrigem Interesse von geladenen Journalisten sollte dieses Meisterwerk niederländischer Ingenieurskunst, diese neuste Waffe im Kampf gegen die böse Krake Drogenanbau, demonstriert werden. Anders als konventionelle Suchmethoden, die mit Luftbild-Aufnahmen nach Plantagen suchen oder mit Infrarot-Kameras verdächtige Hitzequellen in Gebäuden ausmachen, arbeitet der CannaChopper mit einer revolutionären neuen Sensor-Anlage in seiner Schnauze: Der CannaSniffer soll in der Lage sein, selbst gefilterte oder überdeckte Spuren von Hanfgeruch in der Luft auszumachen.
Es gibt Video-Aufnahmen von diesem Event, und sie liefen auch im deutschen Privatfernsehen. Keiner dieser Beiträge stellt die Absurdität der Bilder in Frage: Dass, ohne jegliche Form von Durchsuchungsbefehl oder richterlicher Genehmigung, eine kleine Flugdrohne so lange an potenziellen Grow-Häusern entlang fliegt & an Fenstern und Belüftungsanlagen schnuppert, bis die hochgerüsteten Sensoren in seiner Schnauze die feine Spur von cannabinoiden Duftstoffen aufgreifen. Und der inszenierte Jungfernflug ist natürlich ein Erfolg: Der fliegende Schnüffler spürt auf Anhieb eine Indoor-Plantage auf, wenig später stürmen Polizisten und Mitarbeiter der Stadt das Gebäude & beschlagnahmen Pflanzen mit einem geschätzten Wert von 80,00o Euro.
(login oder registriere dich um links zu sehen)Die ganze Story war, Gott sei Dank, ein Fake. Eine niederländische Film-Produktionsfirma hatte sich den Spaß ausgedacht & zu dem Presse-Event geladen. Und die Mainstream-Medien berichteten wie selbstverständlich von diesem Wunderwerk der Polizeitechnologie, mit der auch Europas War an Drugs endlich im 21. Jahrhundert ankommen würde. Das Erschreckende ist jedoch, dass kein einziger Beitrag die juristische Absurdität einer — wortwörtlich — schnüffelnden Flugdrohne in Frage stellt, die so lange ihr Gebiet absucht, bis sie irgendeine Fährte von Ganja gewittert hat.
Nachdem man diese Videos gesehen hat, stellt man sich sogar die Frage, wieso nicht schon früher jemand auf solche Ideen gekommen ist … wieso man nicht etwa einfach Polizisten an Stahlseilen von Hubschraubern baumeln lässt, und sie so lange vor Häuserfassaden rumfliegt, bis sie rein zufällig irgendein Verbrechen entdecken, das die Polizei vor dem Tod durch Langeweile bewahren könnte. Fuck.
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Das »Vierzehnte Gesetz zur Änderung des Luftverkehrsgesetzes« soll nun erstmals für unser Land die juristische Grundlage schaffen, mittels derer der Einsatz von unbemannten Fluggeräten legal abgesegnet wird. Was allerdings nicht heißen soll, dass diese Geräte nicht bereits lange im Einsatz sind: Fans des Castor-Schotterns wurden vergangenen Herbst mit ihnen bereits auf Schritt und Tritt observiert, die Polizei Sachsens beobachtet die Wanderbewegungen ihrer Hooligan-Populationen während Fußballspielen und auch beim G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 wurde eifrig aus der Luft dokumentiert. Und ja, auch zur Jagd auf böse Grower wurden die Geräte bereits durch die Bundespolizei verwendet. Mit Erfolg.
Was alles auch Teil eines internationalen Trends ist: Zur Fußball-Europameisterschaft in Polen und den Olympischen Sommerspielen in London ist der Einsatz — oder Testlauf — von Aufklärungsdrohnen bereits fest eingeplant. Was gut genug ist, um einen TalibanFührer aufzuspüren, kann ja wohl nicht verkehrt sein, um einen steinewerfenden Demonstranten zu jagen — oder einen betrunkenen Randalierer.
Erklärungen bedarf es keiner: Diese Technik ist eben sinnvoll, sagen Polizeifunktionäre, und ihr Nutzen liege doch auf der Hand. Sie schließe »strategische Lücken« bei der Aufklärung und Überwachung und ist dabei so herrlich billig — bei einem Anschaffungspreis um die 50,00o Euro könnte man eine ganze Flottille kaufen, ehe man in die Preisklasse eines konventionellen Polizeihubschraubers rutscht.
Dumm nur, dass Leute wie wir uns gerne in diesen