Cannabis Social Clubs können nur der Anfang sein …

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Beim Durchstöbern der einschlägigen Seiten im Netz bin ich kürzlich auf die ”Eastside-Growers” gestossen und war- gelinde gesagt- überrascht, Kiffer und Grower, die im World Wide Web zu ihrem Hobby stehen und dabei sogar auf www.eastside-growers.com ihre Aktivitäten dokumentieren!

Anscheinend ähnlich strukturiert wie die legalen spanischen Cannabis-Social Clubs, haben sich bei den Eastside Growern (Im Folgenden ESG genannt) erwachsene, mündige Bürger zusammengeschlossen, urn ihren Eigenbedarf an Weed durch Eigenanbau zu decken. Das ist mutig, aber in Deutschland schwerstens illegal und hat natürlich umgehend mein Interesse geweckt. Ahnlich wie in Spanien sucht man sich als “Clubmitglied”, vereinfacht dargestellt, eine Sorte aus und baut sie gemeinsam an. Mitglieder bezahlen lediglich ihren Teil der entstehenden Unkosten und bekommen momentan maximal 10 Gramm Gras pro Woche. Nichts geht in den Verkauf, Gewinne werden nicht erzielt. Zwar konnte ich die anonyme Grower-Community nicht persönlich treffen, aber mir ist es gelungen, die ESG über das Internet zu kontaktieren, bei dieser Gelegenheit habe ich die Damen und Herren Hobbygärtner einmal gebeten, mir ein wenig mehr über ihre Motivation, die Geschichte der ESG sowie Anbautechniken, Equipment und vielleicht auch ein wenig aus ihrem Leben zu erzählen.

Die Gemeinschaft

Der Weg der Eastsiders begann klassisch: In jungen Jahren — der Jungste von uns war damals 19 — kamen wir unabhängig vonei­nander erstmals in Kontakt mit Cannabis. Wahrscheinlich war es irgendein Kraut von der Strasse und vermutlich nicht mal wirklich gut, aber uns hat es gefallen und wir blieben dabei. Bis heute nutzt keiner von uns Cannabis zu medizinischen Zwecken, son­dern ausschliesslich zum persönlichen Genuss.

Jahrelang haben wir uns über dunkle Kanäle, oft auf der Strasse, versorgt und beim regelmässigen Gras-Roulette auch oft verloren. Jeder von uns hat nicht nur einmal totalen Müll oder sogar ges­trecktes Gras bekommen. Auf die Idee, selbst zu growen, kamen wir damals noch nicht. Stattdessen haben wir viel Energie in die Suche nach besseren Dealern verschwendet.

Zum Homegrowing kamen wir eher zufällig, als einer von uns drei Samen, die er im Strassengras gefunden hat, in die Erde gesteckt und den Topf auf den Balkon gestellt hat. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als wir feststellten, wie schnell die Pflanzen wuchsen und wie wenig man wissen musste, um sie am Leben zu halten. Die einzige weibliche Pflanze lieferte uns die sagenhafte Ernte von gut drei Gramm, die wir in einem einzigen Pur-Joint verkostet haben. Es war der beste Joint unseres Lebens. Nicht wegen des Gesch­macks, der war räudig. Auch nicht wegen der Wirkung, die war kaum vorhanden. Es war die Entscheidung, die wir damals getrof­fen haben, die diesen Joint zum besten unseres Lebens machte: Wir bauen unser eigenes Gras an!

Fortan haben wir viel gelesen, viel gesehen, viel versucht und viele Fehler gemacht — zunächst outdoor, wenig später dann indoor. Wir sind ja auch kein Club oder eingetragener Verein, son­dern ein lockerer Freundeskreis, der einfach lieber kifft als Alkohol zu trinken.

Bevor wir dann mit unserem Projekt online gegangen sind, haben wir gut zwei Jahre lang vor uns hingegrowt und eine Menge guter sowie schlechter Erfahrungen gesammelt.

Zurzeit bestehen die Eastside Growers aus sieben Männern und Frauen. Es handelt sich bei uns ausschliesslich um erwachsene Menschen, die die 30 lange hinter sich gelassen haben. Viele von uns haben Familie, alle einen festen Job oder gar eigene Unter­nehmen. Wir sind fest eingebunden in einen soliden Freundeskreis, sind Mitglieder in Sportvereinen oder der Freiwilligen Feuerwehr und engagieren uns in einigen Verbänden.

Derzeit bildet sich eine zweite Gruppe, die zu den Eastsidern gehört, aber unabhängig von der ersten Gruppe agieren wird.

Als Blütefläche stehen uns 1 m2 auf Erde sowie 1,44 m2 auf Co­cossubstrat bei jeweils zwei Meter Höhe zur Verfügung. Die vege­tative Phase findet auf 0,64 m2 (Erde) bzw. auf 1 m2 (Cocos) statt. In Zukunft sollen die beiden Linien identisch gefahren werden, wobei die Masse der Cocos-Linie zum Standard gemacht werden. Die verhältnismässig kleine Anbaufläche für sieben Personen und die daraus resultierenden Erntemengen sind einerseits ein Nachteil, weil man oft Kompromisse hinsichtlich Erntezeitpunkt und Trocknungsmethode eingehen muss. Andererseits ist genau das der fast einzig wirksame Schutz gegen eine Kommerzialisier­ung. Da es sich bei den Eastside Growers ausschliesslich urn regelmässige Konsumenten handelt, steht schlichtweg nicht genug zur Verfügung, um vom Wochenbudget etwas zu verkaufen. Da sich niemand von uns die Blösse geben würde, Gras auf der Strasse zu kaufen und es sehr verdächtig erscheinen würde, wenn eines der Mitglieder ein anderes wegen Gras anhauen würde, weil das eigene aus mysteriösen Gründen verschwunden ist, gehen wir einfach davon aus, dass jeder Eastsider sein Kraut ausschliesslich für sich verwendet, was das Einladen von Freunden zum gemeinsamen Joint allerdings nicht ausschliesst. Jeder Eastside-Grower bekommt zur Zeit maximal 10 Gramm die Woche.

Das Prinzip ist also ähnlich wie bei den spanischen Cannabis Social Clubs, wobei solche Clubs unseres Erachtens nur ein Anfang sein können, um Cannabis zurück ins Bewusstsein der Gesellschaft zu bringen und die Akzeptanz bei der breiten (in Form von ausgedehnt) Masse zu erhöhen. Eine Dauerlösung für Konsumenten sind sie unserer Ansicht nach nicht. Das grösste Problem sehen wir in der fortgesetzten staatlichen Kontrolle. Beim Modell der Cannabisvereine steht jedem Konsumenten eine fes­tgelegte Menge an Cannabis pro Tag zu. Wir lehnen es aber ab, uns den Cannabiskonsum zustehen zu lassen und noch viel mehr, uns unsere Konsummengen vorschreiben zu lassen. Man stelle sich nur mal vor, der wöchentliche Bierkonsum eines Deut­schen würde auf sieben Flaschen beschränkt. Da sässen einige Mitbürger ab Montag Nachmittag auf dem Trockenen und Deutsch­land stünde vor einem Volksaufstand.

Eine für uns akzeptable Lösung kann nur die totale Genehmigung des Anbaus zur Eigenversorgung sein. AIles andere ist Stückwerk.

Der Grow

Vorab: Grundsätzlich arbeiten wir mit Stecklingen, da nur so das rotierende System aufrecht zu halten ist. Neue Mütter selektieren wir allerdings gerne selber aus regulären Samen. Bevor wir Steck­linge hatten, haben wir auch öfter feminisierte Samen benutzt und auch nie schlechte Erfahrungen damit gemacht. So hatten wir wenigstens die Gewissheit, dass wir unseren Platz nicht mit rnännlichen Pflanzen verschwendeten. Für die Selektion neuer Mütter setzen wir allerdings voll und ganz auf die Kraft der Natur und somit auf reguläres Saatgut. Wir haben uns sagen lassen, dass die Mütter stabiler werden und länger Stecklinge liefern als die Mütter aus feminisierten Samen. Wir haben bislang mit einer Sweet Tooth nur eine einzige Mutter aus feminsierten Samen gezogen und sie nach nur wenigen Monaten in die Blüte ges­chickt. Sie war anfällig für Vorblüte und Schimmel und wuchs ziemlich ungleichmässig. Seitdem kommt uns nur noch reguläres Saatgut in die Tüte, wenn es an eine Selektion geht.

Bislang haben wir konventionell auf Erde angebaut, sind jetzt aber dabei, mit der zweiten Gruppe eine Cocos-Linie aufzubauen. Da die aber noch nicht wirklich steht, wird sie hier auch nur am Rande erwähnt. Ebenfalls in Planung befindet sich eine CO2-An­age, wobei es sich hierbei noch um Zukunftsmusik handelt.

Wir haben uns für ein rotierendes System bestehend aus Mutter-box und Blütebox entschieden. So haben wir niemals einen grossen Vorrat an Gras, aber den brauchen wir auch nicht, da wir jede Woche frisch ernten und den Schrank neu bestücken können.