Cannabis gegen Übelkeit und Erbrechen

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Die Autoren folgerten daraus, dass gerauchtes Cannabis »eine sehr wirksame Therapie für die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen nach einer Krebschemotherapie sein kann.«

Übelkeit in der Palliatvmedizin

Als Palliativmedizin wird die Therapie von Kranken bezeichnet, die nur noch eine be­grenzte Lebenszeit haben, wie vor allem Krebskranke, die nicht mehr geheilt werden können. Cannabis wird nicht selten von die­sen Patienten verwendet, um unterschied­liche Beschwerden zu lindern. Beispielsweise wurde im Jahr 2006 von Ärzten der Hautkli­nik der Universität Göttingen in einem Arti­kel über die Behandlung von sieben Patienten mit Melanom (schwarzer Hautkrebs), der be­reits in die Leber und andere Organe gestreut hatte, mit THC berichtet. Sie litten alle an ei­ner ausgeprägten Appetitlosigkeit und Übel­keit und hatten vorher die üblichen Brechreiz hemmenden Medikamente erhalten (Sero­toninantagonisten, Kortison, etc.), allerdings ohne ausreichende Linderung. Die Teilnehmer erhielten zweimal täglich 2,5 mg THC (jeweils eine Stunde vor dem Mittag- und Abendes­sen). Trotz dieser nur sehr geringen Dosis ga­ben die meisten Patienten eine Zunahme des Appetits und eine Abnahme der Übelkeit an. Diese Wirkungen hielten einige Wochen an, nahmen jedoch dann ab, als die Metastasen (Tochtergeschwülste) weiter fortschritten und sich der Allgemeinzustand erneut verschlech­terte. Die Übelkeit war nach Angaben der Au­toren in diesen Fällen vor allem auf die Leber­metastasen zurückzuführen.

HIV und Aids

HIV-positive Menschen leiden häufig unter Appetitlosigkeit und Übelkeit, die auf der Er­krankung selbst oder auf den Medikamenten gegen den HI-Virus beruhen können. Viele Be­troffene verwenden daher Cannabisprodukte zur Linderung dieser belastenden Symptome. Beispielsweise gibt es eine Studie aus den USA aus dem Jahr 2005, nach der Patienten, die antivirale Medikamente gegen ihre Er­krankung erhalten und deshalb an mäßig starker bis starker Übelkeit leiden, seltener ihre Behandlung abbrechen. Es gibt zudem eine Anzahl von Umfragen, auch aus Deutsch­land — durchgeführt von der Deutschen Aids-Hilfe — die die therapeutischen Eigenschaften von Cannabisprodukten bei unterschiedlichen Aids-Symptomen (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Schmerzen, Depressionen, Schlafstörungen) bestätigen.

Zudem gibt es einige Studien mit THC, nach denen dieses natürliche Cannabinoid bei HIV-Positiven den Appetit verbessert und die Übelkeit reduziert.

THC und Cannabis bei anderen Formen der Übelkeit

Cannabisprodukte werden auch bei anderen Formen der Übelkeit eingesetzt, beispielswei­se um Übelkeit nach einer Operation vorzu­beugen oder um eine Therapie der Hepatitis C besser zu bewältigen. Auch ungewöhnliche Formen der Übelkeit, beispielsweise nach ei­ner Magen-Bypass-Operation, wurden bereits erfolgreich mit THC bzw. Cannabis behandelt.

Eine Magen-Bypass-Operation kann bei stark übergewichtigen Personen durchgeführt wer­den. Sie verkleinert den Magen und reduziert daher die Nahrungsaufnahme. Es gibt auch Untersuchungen, nach denen das körpereige­ne Cannabinoidsystem an der Entstehung der Übelkeit im Rahmen einer Reisekrankheit be­teiligt ist.

Insgesamt zeigen die klinische Forschung, verschiedene Umfragen, Erfahrungsberichte und auch die Grundlagenforschung, dass Can­nabisprodukte bei Übelkeit und Erbrechen un­terschiedlicher Ursachen sehr wirksam sein können.(login oder registriere dich um links zu sehen)