Cannabis gegen Übelkeit und Erbrechen

No Comments
 
 

wird vom so genannten Hirnstamm im Gehirn kontrolliert. Es ist ein Reflex, der beim Gesunden das Ziel hat, möglicherwei­se schädliche Substanzen aus dem Körper zu entfernen. Übelkeit bezeichnet das unan­genehme Gefühl, in Kürze erbrechen zu müs­sen.

Die Ursachen akuter Übelkeit sind vielfältig und umfassen Magen-Darm-Infektionen, Me­dikamente, Entzündungen der Bauchspei­cheldrüse, der Leber oder der Galle und einen erhöhten Druck im Gehirn. Ursachen chro­nischer Übelkeit sind beispielsweise Morbus Crohn, Migräne, Übelkeit im Rahmen einer Schwangerschaft, verschiedene Krebserkran­kungen und Depressionen.

Zu den Medikamenten, die eine Übelkeit aus­lösen können, zählen vor allem Medikamente zur Behandlung von Krebs, HIV-Infektionen und Hepatitis, Narkosemittel, Opiate und eine Anzahl weiterer Medikamente. Narko­semittel werden für die Übelkeit verantwort­lich gemacht, die häufig nach Operationen auftritt. Von größter Bedeutung sind Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Krebs-Che­motherapie. Vor dreißig Jahren wurden diese schweren Nebenwirkungen bestimmter Zyto­statika häufig beobachtet und zwangen we­gen der unzureichenden Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden brechreizhemmenden Medikamente bis zu 20 Prozent der Patienten, eine Krebs-Chemotherapie abzubrechen. Auch heute stellt die Vorbeugung und Therapie der Chemotherapie-bedingten Übelkeit eine He­rausforderung dar.

Behandlung von Übelkeit und Erbrechen

(login oder registriere dich um links zu sehen)Alle modernen Richtlinien zur Vorbeugung von Übelkeit bei einer Chemotherapie mit stark Übelkeit auslösenden Substanzen sehen eine Kombination aus so genannten Serotonin­Antagonisten, Kortison und einem weiteren wirksamen Medikament (Aprepitant) vor. Di­ese Medikamente sind allerdings nicht immer wirksam. Tritt trotz dieser Prophylaxe Übel­keit und Erbrechen auf, so ist es nicht wahr­scheinlich, dass eine erneute Gabe der bereits gegebenen Medikamente erfolgreich ist. Al­ternativen sind Neuroleptika, Benzodiazepine (Beruhigungsmittel) und Cannabinoide.

Bei anderen Formen von Übelkeit können die gleichen Medikamente wie bei Nebenwir­kungen der Chemotherapie verwendet wer­den. Vorher muss allerdings vom Arzt ge­klärt werden, ob eine ursächliche Therapie erforderlich ist. Beispielsweise führt auch ein Darmverschluss zu Erbrechen. Allerdings muss hier durch eine Therapie mit Medika­menten, die die Darmbewegungen wieder in Gang bringen, oder durch eine Operation der Verschluss des Darms beseitigt werden. Bei Frauen ist daran zu denken, dass auch eine Schwangerschaft die Ursache für Übelkeit sein kann. Bei einer chronischen Übelkeit kommen viele Ursachen in Frage. Das muss zunächst abgeklärt werden, bevor eine Thera­pie eingeleitet werden kann.

Wie oben bereits erwähnt, wurden seit 1975 eine Vielzahl von klinischen Studien mit THC bei Patienten, die eine Krebs-Chemotherapie erhielten, durchgeführt. THC wird im therapeu­tischen Zusammenhang häufig als Dronabinol bezeichnet. Bis 1991 nahmen an solchen Stu­dien etwa 800 Patienten teil. Mehrere Hundert weitere Patienten nahmen an Studien mit syn­thetischen Cannabinoiden (Nabilon, Levonan­tradol) teil. In Deutschland dürfen Dronabinol und Nabilon vom Arzt verschrieben werden. Allerdings ersetzen die Krankenkassen mei­stens nicht die Behandlungskosten.

Es wurde auch eine Anzahl von Studien mit gerauchtem Cannabis bei Krebspatienten, die mit Übelkeit auslösenden Medikamenten be­handelt wurden, durchgeführt. Dazu zählen vor allem Studien aus den 70er und 8oer Jah­ren, die im Rahmen staatlicher Programme in den USA durchgeführt wurden. In einer Über­sicht, die 2001 in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht wurde, hatten die Autoren technische Berichte aus sechs Staa­ten der USA, die solche klinischen Studien durchgeführt hatten, analysiert. Dadurch wa­ren Daten von 748 Patienten, die vor und wäh­rend einer Krebs-Chemotherapie Cannabis ge­raucht hatten, und von 345 Patienten, die zum Vergleich THC-Kapseln eingenommen hatten, verfügbar. Die Ergebnisse zeigen, dass Pati­enten, die Cannabis verwendet hatten, zu 70 bis wo Prozent eine Linderung von Übelkeit und Erbrechen erlebt hatten, während bei der Verwendung von THC-Kapseln eine Linderung in 76 bis 88 Prozent der Fälle eingetreten war.