Cannabis gegen Übelkeit und Erbrechen

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Der Cannabiswirkstoff THC wurde 1985 in den USA zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie von Krebspatienten zugelassen und kam zwei Jahre später in Kapselform unter dem Markennamen Marino! auf den Markt. Das war die erste Indikation bzw. Symptomatik, für die THC arzneimittelrechtlich zugelassen wurde.

Eine Krebs-Chemotherapie kann Übelkeit und Erbrechen verursachen, deren Stärke bei ver­schiedenen Zytostatika (Medikamente gegen Krebs) variiert. In den 70er und 80er Jahren gab es noch keine sehr wirksamen Medika­mente gegen starke Übelkeit, sodass es nicht selten war, dass Krebskranke eine Krebsthe­rapie abbrachen, weil sie die Nebenwirkungen der Behandlung nicht ertrugen. Es wurden da­her dringend wirksame Substanzen gegen Übelkeit und Erbrechen gesucht, um das Le­ben dieser Menschen zu retten.

Erste Studien in den 70er Jahren

Zufällig entdeckte eine Anzahl von Cannabis­konsumenten, dass das Rauchen von Canna­bis dabei sehr wirksam sein konnte. 1975 wur­de daher die erste klinische Studie mit THC bei Patienten durchgeführt, die sich wegen unter­schiedlicher Krebsarten einer Chemotherapie unterzogen. Bis 1991 folgten weitere 15 kon­trollierte Studien mit THC bei dieser Indikati­on. »Kontrolliert« bedeutet, dass ein Teil der Patienten THC und ein anderer Teil entweder

ein Placebo (Scheinmedikament) oder ein an­deres Medikament gegen Übelkeit und Erbre­chen erhielt, und dass der jeweilige Patient nicht wusste, welches der Medikamente er bekam. Auf diese Weise konnte die Wirksam­keit von THC im Vergleich zu anderen verfüg­baren Medikamenten ermittelt werden.

Mehrere Staaten der USA legten in den 70er und 80er Jahren zudem große Studien auf, in deren Verlauf Patienten, die eine Chemothe­rapie gegen Krebs erhielten, Cannabis rau­chen durften. Zum Teil wurde die Wirksamkeit von Cannabis in diesen Studien mit der von reinem THC verglichen.

Mit der Einführung der so genannten Sero­toninantagonisten in die Therapie der Neben­wirkungen einer Zytostatikagabe zu Anfang der 90er Jahre reduzierte sich die Bedeutung der Cannabinoide zur Behandlung von Übel­keit und Erbrechen deutlich. Die Serotoninan­tagonisten sind sehr wirksame Medikamente, auf die mehr als drei Viertel der Behandelten gut ansprechen. Heute nimmt das Interesse an THC für die brechreizhemmende Behand‑

lung bei verschiedenen Erkrankungen wieder zu, was sich auch in einigen klinischen Stu­dien beispielsweise zur Behandlung des so genannten verzögerten Erbrechens bei der Krebs-Chemotherapie oder des Erbrechens nach Operationen (postoperatives Erbrechen) niederschlägt.

Wie Cannabis gegen Übelkeit wirkt

Die Forschung hat ergeben, dass die Hem­mung der Übelkeit und des Erbrechens durch Cannabis im Wesentlichen auf THC beruht, dass jedoch auch Cannabidiol (CBD) Brech­reiz hemmende Eigenschaften besitzt. Die Wirkungen von THC gegen Übelkeit basieren vor allem auf zwei Mechanismen: erstens auf der Aktivierung von Cannabinoid-1-Rezep­toren (CB1-Rezeptoren) und zweitens auf der Hemmung von Serotonin-Rezeptoren.

Die Aktivierung der CB1-Rezeptoren durch THC ist auch für die bekannten psychischen Wirkungen von Cannabis sowie die meisten anderen Effekte der Droge verantwortlich, wie beispielsweise die Steigerung des Appe­tits, die Entspannung der Muskulatur und die Hemmung von Schmerzen. Die Hemmung von Serotonin-Rezeptoren ist ein Zeichen dafür, dass THC zum Teil so wirkt, wie die heute ge­bräuchlichsten Medikamente gegen Übelkeit, die bereits oben erwähnten Serotonin-Anta­gonisten.

Nach tierexperimentellen Untersuchungen wirkt THC und zum Teil auch CBD gegen ver­schiedene Formen der Übelkeit, beispielswei­se Übelkeit auf Grund von Medikamenten so­wie Übelkeit bei bakteriellen Infektionen. Es wurde auch eine Wirksamkeit in einem Tier­modell der so genannten antizipatorischen Übelkeit festgestellt. Als antizipatorische Übelkeit bei der Krebs-Chemotherapie wird eine Form der Übelkeit bezeichnet, bei der die Betroffenen bereits mit Übelkeit und Er­brechen reagieren, wenn sie den Geruch des Krankenhauses wahrnehmen oder die Arzt­praxis betreten, weil sie dies an ihre Übelkeit, die sie bei der letzten Chemotherapie erlei­den mussten, erinnert. Diese antizipatorische Übelkeit spricht schlecht auf die üblichen, heute verfügbaren Medikamente an.

Ursachen von Übelkeit und Erbrechen

Erbrechen