Cannabis als medizin legal? mitnichten – wie eine zeitungsente entsteht

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beschränkt.

August 2010: Die Regierungskoalition hat Mitte August angekündigt, „die Möglichkeit zu eröffnen, Cannabis-Medikamente in Deutschland herzustellen und für eine Therapie zu verschreiben.“ Der Zeitpunkt des Sinneswandels ist für Insider offensichtlich, handelt es sich um nichts anders als grünes Licht für die geplante Zulassung für die deutsche Sativex Variante, deren Markteinführung für 2011 erwartet wird. Der Status von natürlichem Cannabiskraut bleibt unangetastet illegal. Schlimmer noch: Die bisher 24 Patienten, die mit einer Aus­nahmegenehmigung Cannabisblüten aus den Niederlanden importie­ren dürfen, laufen mit der Zulassung von Sativex in Deutschland theoretisch sogar Gefahr, ihren Status zu verlieren, besonders die mit einer MS-Indikation. Sie müssten im schlimmsten Falle ihre Medikation zwangsweise absetzen und durch das Spray ersetzen, mit dem sie, im Gegensatz zu natürlichem Cannabis, keinerlei Erfahrungen haben. Und wenn es nicht wirkt wie erwartet, müssten wieder Gerichte in jedem Einzelfall entscheiden.

Die Forschung emigriert

Momentan wird in Deutschland vorsätzlich verhindert, dass auf diesem Gebiet überhaupt geforscht wird. Ein Unternehmen wie Bionorica, Deutschlands größter Phyto-Arzneimittelproduzent, verla­gert seine Forschung mit pflanzlichen Cannabinoiden nach Österreich, weil die Behörden dort, anders als in Deutschland, gerne kooperie­ren. Mittlerweile gibt es unzählige Beispiele aus Kanada oder den USA, bei denen pflanzliches Cannabis die Symptome soweit lindert, dass teure Medikamente überflüssig werden, oft sogar besser als Fertigpräparate auf Cannabisbasis.

Angeblich fehlende Standardisierung als Ausrede

Das Hauptargument, pflanzliches Cannabis entspreche nicht Arznei­mittelstandards, widerlegen die Regierungen von Kanada und den Niederlanden eindrucksvoll: In beiden Ländern gibt es ein medizinis­che Cannabis-Pogramm, bei dem der Staat den Auftrag zur Zucht von Cannabis mit immer gleich bleibenden Wirkstoffgehalt und Eigenschaften in Auftrag gegeben hat. Dieses Modell funktioniert seit Jahren, in den Niederlanden produziert die Firma Bedrocan seit Jahren drei Sorten Cannabis für Apotheken, das medizinischen Standards entspricht.

Während die Lobbyisten der Pharmaindustrie weiterhin still und leise in den entsprechnden Ausschüssen daran arbeiten, die Verfügbarkeit von pflanzlichen, medizinischen Cannabis aus Gründen zukünftiger Profite zu verhindern, schieben sie den Schwarzen Peter in öffen­tlichkeitswirksamen Fällen wie dem von Ute Köhler dem Gesetz­geber zu: Sowohl dem in Frankfurt künstlich hergestellten Dronabinol als auch den importierten Cannabisblüten aus niederländischen Apotheken verweigert die Bundesregierung seit Jahren die Zul­assung als Medikament und somit auch die Möglichkeit einer Kostenübernahme. Denn für Ausnahmegenehmigungen zahlt der Patient. Und jetzt kommt ein großes Unternehmen daher und bekommt postwendent das, worum Patienten und die Hersteller von Dronabinol seit Jahren gebettelt haben: Eine Zulassung für ein can­nabishaltiges Medikament, mit der man echtes Geld verdienen kann, weil es die Kassen zahlen.

Genau diese Haltung, zu der die Bundesregierungen seit den Anfängen der Cannabismedizin von der allmächtigen Pharma-Lobby gedrängt werden, konnte jeder interessierte Bürger/In bei einer öffentlichen Sitzung im Gesundheitsausschuß des Bundestags im Jahre 2008, beobachten. Dort war im Prinzip der Konsens zwischen Kassen und Industrie schon beschlossen, die Alternative von pflanzli­chen Cannabis als Medizin wurde nur noch am Rande erwähnt. Bei der Verwendung von Cannabis als Medizin wird es in Deutschland, geht es nach dem Willen der Kassen und Arzneimittelhertseller, zukünftig nur noch um künstliche Cannabinoide gehen. Das derzeit einzig zur Verfügung stehende sythetische Cannabis-Medikament, Dronabinol, ist ungefähr sechs mal so teuer wie die pflanzliche Alternative, Sativex wird, wenn überhaupt, nicht viel günstiger sein, wenn man auf die Erfahrungen in Kanada schaut.

Da weiß man jetzt schon, wo die Reise hingehen soll. Sind erst ein­mal ausreichend synthetisierte Cannabinoide auf dem Markt, werden die Kosten auch von den Kassen übernommen, denn so fliesst das Geld wieder dahin, wo es schon immer hinfloss.

Von wegen fehlender Studien zur Wirksamkeit

Cannabis ist auch vom medizinischem Aspekt betrachtet eine der am besten erforschsten Pflanzen, 2008 lagen einer Veröffentlichung der Fachzeitschrift „Medicinal