Cannabinoide – Die Wirkstoffe im Cannabis

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Cannabis ist seit Jahren an vielen Orten der Welt die Nummer Eins unter den illegalen Drogen. Das Cannabis bei vielen Menschen so beliebt ist, hat einen einfachen Grund. Sie gehört zu den Pflan­zen, die einen besonderen psychoaktiven Effekt haben können. Das Harz des Cannabis enthält einzigartige Bestandteile, deren Wirkungen mit keiner anderen natürlichen Substanz vergleich­bar sind. Diese Wirkstoffe werden unter dem Begriff Cannabinoide zusammengefasst. Bisher sind rund 100 Cannabinoide entdeckt worden, doch nur von wenigen ist wirklich bekannt, welche Wir­kungen sie auf den menschlichen Organismus haben können.

Cannabinoide02Die Cannabinoide im Cannabisharz sind es auch, mit denen das weltweite Verbot von Cannabis begründet wird. Von ihnen sollen Gefahren ausgehen, die eine intensive Verfolgung und harte Bestrafung von Hanffreunden rechtfertigen sollen. Wie gefährlich die Cannabinoide wirklich sein können, wollen wir in diesem Artikel klären…

Neben den Cannabinoiden enthält das Harz der Hanfpflanze noch viele weitere Substan­zen, die unterschiedlichen Zwecken dienen. Dazu gehören die zahlreichen ätherischen Öle, die die Pflanze vor Insekten schützen sol­len. Rund 120 verschiedene ätherische Öle lassen sich in Hanfpflanzen finden. Dazu zäh­len unter anderem Stoffe wie Humulen, Pinen, Selinen, Farnesen, Bergamotten und Limo­nen. Das Caryophyllenoxid, ein weiteres äthe­risches Öl, wird von Drogenspürhunden als Leitsubstanz benutzt. Den ätherischen Ölen verdankt Cannabis seinen Geruch. Je mehr ätherische Öle, desto intensiver können Ge­ruch und Aroma ausfallen.

Das Harz selbst ist nicht wasserlöslich. Es soll die Pflanzen vor Witterungseinflüsse wie Regen oder Kälte schützen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass das Harz fest an den Blüten und Blättern klebt, da es sonst durch Wind und Regen abgespült werden könnte. Denn dann wäre die Pflanze ungeschützt, Schädlinge und Pilze hätten leichtes Spiel. Aus diesem Grund besteht das Harz aus speziellen Wachsen. Sie beruhen auf Kohlenwasserstoffverbindungen, die nicht Wasserlöslich sind.

Die im Harz enthaltenen Cannabinoide die­nen der Hanfpflanze vermutlich vorrangig der Abwehr von Fressfeinden. Sie wirken wie Bit­terstoffe, die Insekten und auch Vögeln den Appetit auf Hanf verderben sollen. Insbeson­dere die nahrhaften Hanfsamen sind bei Vö­geln sehr beliebt. Um sie zu schützen, bilden weibliche Hanfpflanzen hauptsächlich im Bereich der Blüten, den späteren Samenständen, viel Harz mit hohen Wirkstoffkonzentrationen. In Vergleich dazu enthalten andere Pflanzen­teile wie Stängel und Blätter kaum Harze und damit Wirkstoffe. Auch für die männlichen Pflanzen gibt es keinen Grund, große Men­gen an wirkstoffreichen Harzen zu bilden. Nachdem Männchen ihren Pollen abgegeben haben, werden sie ohnehin nicht mehr ge­braucht und sterben. Deshalb ist für die Wirk­stoffproduktion nur die blühende weibliche Pflanze interessant.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass alle Hanfpflanzen — auch die männlichen – psy­choaktive Substanzen enthalten. Selbst der so genannte „Faserhanf“, der speziell auf geringe Wirkstoffkonzentrationen gezüchtet worden ist, ist nicht frei von Cannabinoiden. Jedoch liegt die Konzentration gerade bei den Nutzhanfsorten so niedrig, dass sie für den Konsum durch einfaches Rauchen nicht in Fra­ge kommen. Um einen psychoaktiven Effekt zu erreichen, werden schon gewisse Wirkstoffmengen benötigt.

Cannabinoide03Bevor mit der Sorte „Skunk“ auch Hanfpflan­zen erstmalig ausreichend große Wirkstoff­konzentrationen aufwiesen, wurde in erster Linie das konzentrierte Hanfharz konsumiert. Konzentriertes Hanfharz bezeichnet man als „Haschisch“. Es wird durch das Trennen der Harzdrüsen von den Blättern hergestellt. Je weniger Blattmaterial im Haschisch zu finden ist, desto höher ist die Wirkstoffkonzentrati­on. Heutige Methoden, wie etwa das „Water­Hash“-Verfahren, ermöglichen die Gewinnung von sehr reinem Harz, dessen Wirkstoffkon­zentrationen über die 5o% Marke steigen kön­nen. Normales Haschisch hat zwischen 5% und 15% Wirkstoffanteil. Ähnlich verhält es sich auch bei den heutigen Marijuanasorten. Es soll zwar auch Sorten geben, die Spitzenwerte von bis zu 3o% erreichen, aber dazu müssten alle Bedingungen schon optimal sein.

Wenn von psychoaktiven Wirkstoffen die Rede ist, wird oft das Delta-9-THC gemeint. Dabei steht das Kürzel THC (=Tetrahydrocan­nabinol) eigentlich für eine ganze Gruppe von Cannabinoiden, die alle die Bezeichnung THC im Namen führen. Den größten Anteil an Wirk­stoffen stellt dabei das erwähnte Delta-9-THC dar. Das wiederum ist die Bezeichnung für ein bestimmtes Cannabinoid, als auch für eine wei­tere Untergruppe, die aus neun unterschied­lichen Delta-9-THC-Typen besteht. Davon ist das Delta-9-THC das psychoaktivste.

Neben den THC-Cannabinoiden spielen aber auch das Cannabigerol (CBG), das Cannabidi­ol (CBD) und das Cannabichromen (CBC) eine gewisse Rolle. Sie kommen zusammen mit den THC-Cannabinoiden in den meisten Hanfpflan­zen vor. Aktuell sind es insgesamt 109 unter­schiedliche Cannabinoide, die Forscher im Harz der Pflanze bisher finden konnten. Und es könnten noch mehr werden, denn die Erfor­schung dieser fettlöslichen Substanzen ist erst seit relativ kurzer Zeit effektiv möglich.

Die Forschung hat gezeigt, dass nicht alle Cannabinoide gleichzeitig in einer Pflanze vor­kommen, und auch die Konzentrationen und Zusammensetzung der verschiedenen Canna­binoide variiert von Sorte zu Sorte.

Cannabinoide04Untersuchungen an europäischen Hanfpflan­zen haben gezeigt, dass in vielen von ihnen das Delta-9-THC hauptsächlich in einer seiner sauren Formen vorliegt (bis zu 9o%). In seiner sauren Form, etwa als „Delta-9-Tetrahydro­cannabinolsäure A“, wirkt es nicht psychoak­tiv. Würde es von einem Menschen gegessen, hätte dies kaum eine psychoaktive Wirkung auf ihn. Das bedeutet, dass ein hoher THC-Wert nicht zwangsläufig heißt, dass eine Hanfsorte auch sehr stark wirken muss. Es kommt darauf an, in welcher Form das Delta-9-THC vorliegt. Nur als so genanntes „phenolisches THC“ ist es tatsächlich psychisch wirksam.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, die unwirk­samen Säuren in wirksames phenolisches THC umzuwandeln, in dem die Substanzen erwärmt werden. Bei Temperaturen, wie sie in der Glut eines Joints entstehen können, dauert es nur wenige Sekunden, bis sich dieser Umwand­lungsprozess vollzogen hat. Bei derart hohen Temperaturen steigt aber auch die Gefahr,dass die Cannabinoide zerstört werden und so auch nicht wirken können.

Als optimale Temperatur kann der Bereich um 200°C angesehen werden. Ab 220°C kön­nen Verbrennungen auftreten, bei der die Can­nabinoide im zunehmenden Maße zerfallen. Bei zu geringen Temperaturen, etwa von ko­chendem Wasser, dauert der Umwandlungs­prozess verhältnismäßig lange.

Wie bereits erwähnt, sind derzeit 109 Can­nabinoide in Hanfpflanzen nachgewiesen und isoliert worden. Das bedeutet jedoch nicht, dass von allen klar wäre, welche Bedeutung sie für die Pflanze, und welche Wirkung sie auf den Menschen haben können. Die Forschung steckt zu beiden Themen — trotz großer Fort­schritte in den letzten Jahren — immer noch in den Kinderschuhen.

Was die Wirkung der Cannabinoide auf den Menschen betrifft, hat sich die Forschung in den letzten Jahren zu mindest intensiviert. Gerade der medizinische und therapeutische Wert der Cannabiswirkstoffe ist in den Fokus von immer mehr Wissenschaftlern gerückt.

Dabei sind bisher vor allem die Cannabinoide der THC-Gruppe, allen voran das Delta-9-THC, untersucht worden. Es gibt auch schon seit längerem Medikamente, die den isolierten Wirkstoff enthalten. Sie werden gegen starke Übelkeit, Schmerzen oder gegen Appetitlosig­keit eingesetzt.

Besonders in Amerika, allen voran in US-Staaten wie Kalifornien oder Oregon, wird seit einigen Jahren auch das natürliche Cannabis als Medizin eingesetzt. Patienten dürfen es selbst anbauen oder können es in speziellen „Hanf-Apotheken“ kaufen. In Deutschland wurden ebenfalls erste Genehmigungen an schwer Kranke vergeben, die nun natürliches Cannabis – produziert in den Niederlanden ­über ihre Apotheke beziehen können.

Cannabinoide05Die Verwendung von natürlichen Canna­bis hat verschiedene Vorteile: Es ist wesentlich günstiger als die künstlich hergestell­ten Präparate der Pharmaindustrie. Es ist in der Regel besser verträglich. Und das wohl wichtigste Argument: Das enthaltene Wirk­stoffspektrum ist deutlich größer als in künst­lichen Produkten. Während Medikamente oft nur ein Cannabinoid als Wirkstoff enthalten, können auf Hanfpflanzen dutzende davon aus den unterschiedlichsten Gruppen vertreten sein. Die Cannabinoide stehen in Wechsel­wirkung zu einander. Einige verstärken einen Effekt, andere mildern ihn ab. Wieder andere haben einen Einfluss auf Blutdruck und Mus­kelspannung, und dann sind da welche mit ei­ner psychoaktiven Wirkung, für die Forschung bleibt da viel Raum für Entdeckungen.

Die Schulmedizin hat oft ein Problem mit dem Einsatz von natürlichem Cannabis, weil es als Naturprodukt gewissen Schwankungen in sei­ner Qualität unterliegt. Die Cannabinoidmen­gen können variieren, und so Effekte ausblei­ben oder zu stark ausfallen. Der Einsatz vom medizinischen Cannabis setzt ein gewisses Fingerspitzengefühl und auch Erfahrung vo­raus, was viele Ärzte ihren Patienten anschei­nend nicht zutrauen. Dabei zeigen die millio­nenfachen Erfahrungen, die seit Jahren nicht nur in Amerika gesammelt werden, dass es of­fenbar doch ganz gut funktionieren kann.

Die mittlerweile massenhafte Verwendung von Cannabis als Heilmittel legt den Schluss nahe, dass die Gefährlichkeit der modernen Marijuanasorten nicht als so hoch einzustufen ist, wie es von Behörden und Politikern gerne dargestellt wird. Tatsächlich lassen sich keine aktuellen Studien finden, die ein grundsätz­liches Gesundheitsrisiko von Cannabinoiden belegen würden.

Unstrittig ist, dass junge Menschen grund­sätzlich auf den Konsum von psychoaktiven Drogen, zu denen Cannabis zweifellos zählt, verzichten sollten. Solange die Entwicklungs­prozesse im Gehirn nicht abgeschlossen sind, können psychoaktive Substanzen unvorher­sehbare Effekte auslösen, die im schlimmsten Fall zu einer ernsthaften psychischen Erkran­kung führen können. Dieses Risiko sollte nie­mand eingehen..!

Gleichzeitigzeigen die Millionen von „gesun­den“ Cannabiskonsumenten – die es auch in Ländern gibt, wo streng gegen illegales Can­nabis vorgegangen wird – dass ein „vernünf­tiger“ Umgang möglich ist. Es fällt auf, dass in Ländern, die besonders hart gegen ille­gale Drogen vorgehen, das „Drogenproblem“ nicht kleiner als in vergleichsweise liberalen Ländern ist. Im Gegenteil, oft sorgen gerade strengere Gesetze dafür, dass ein illegaler Drogenhandel überhaupt erst lukrativ wird.

Was die Wirkstoffkonzentrationen im Canna­bis angeht, sollen die in den letzten Jahren ein gefährliches Niveau erreicht haben. So wird zu mindest immer wieder von Verfechtern des Cannabisverbots argumentiert.

Bei unseren Recherchen konnten wir aller­dings nur Berichte finden, aus denen das ge­naue Gegenteil hervorgeht: Nämlich, dass die Wirkstoffkonzentrationen im Cannabis seit einiger Zeit stagnieren und eher ab- als zunehmen. Das passt auch zu den Aussagen der Hanfzüchter, die wir für diese Ausgabe be­fragt hatten. Auch sie bestätigen, dass heut­zutage weniger die Wirkstoffkonzentration, als viel mehr das Wirkstoffspektrum in Vor­dergrund steht.

Denn heute ist klar, dass das Delta-9-THC zwar einwichtiges Cannabinoid für ein Rau­scherlebnis ist. Jedoch kommt dessen Effekt nur dann wirklich zur Geltung, wenn weitere Cannabinoide wie das CDB in ausreichend Menge vorhanden sind. Denn nur in Kom­bination mit anderen Cannabinoiden kann eine „Cannabis typische“ Wirkung entste­hen. Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass je nach Zusammensetzung und Konzentration der Wirkstoffe eine andere Wirkung auftreten kann…

Cannabinoide und ihre Wirkungsweisen sind ein spannendes, aber recht komplexes The­ma. In unserer zweimonatlich erscheinenden „regulären“ Ausgabe des grow! Magazin wer­den wir uns mit dieser Materie weiterhin re­gelmäßig beschäftigen und euch über aktu­elle Erkenntnisse auf dem Laufenden halten.