Auf dem Balkon Hanf anbauen

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Nur wenige Leute verfügen über einen eigenen, von niemand anderem einsehbaren Garten, in dem sie in der Freiluftsaison stressfrei ihre Hanfpflanzen anbauen können. Ein Balkon ist dagegen schon bei wesentlich mehr Growern vorhanden, Dieses Special zeigt, worauf beim Balkon-Anbau besonders zu achten ist.
Das fängt schon bei den Töpfen an. Topfkultur indoors ist relativ unproblematisch — aufgrund kontrollierter, konstanter äußerer Bedingungen und einer vergleichsweise kurzen Kulturzeit. Hanfpflanzen in Töpfen unter natürlichem Licht draußen anzubauen, stellt den Grower bei der Planung der Kultur dagegen meist vor deutlich mehr Fragen. Material und Medium müssen geeignet sein, den direkt einwirkenden Naturgewalten zu trotzen: Heiß und lang brennt auf dem Balkon die Sonne auf die Töpfe, ungehindert kann der Regen auf ungeschützten Balkonen große Wassermengen auf die Pflanzen und das Topfmedium niederprasseln lassen, ungebremst fegt der Wind durch den Pflanzenbestand und droht, die Pflanzen zu kippen. Töpfe und Erde müssen für diese und andere besondere Anforderungen gewappnet sein.
Auf dem Balkon Hanf anbauen02Die Auswahl des Topfes
Während im Indoor-Bereich in der Regel Polyethylen (PE) und Poly-propylen (PP) als Topfmaterialien zum Einsatz kommen, gibt es für den Balkon-Anbau eine Alternative: Den guten alten Tontopf. Er gewinnt hier gegenüber Kunststoff insgesamt den Eigenschaftsvergleich, wie folgende Übersicht zeigt:
Das hohe Gewicht sorgt für große Standstabilität; große, schwere Tontöpfe trotzen auch starkem Wind, selbst wenn die Pflanzen ziemlich groß und hoch sind. An den Tonwänden kommt es bei längerer Kultur zwar oft zu Salzablagerungen und Algenbildung, was aber keinerlei negative Auswirkungen auf die Pflanzen hat. Man muss wegen der Verdunstung durch die Topfwände auch etwas öfter gießen als bei Kunststofftöpfen, aber große erwachsene Pflanzen, die täglich stundenlang der knallenden Sommersonne ausgesetzt sind, müssen ohnehin praktisch jeden Tag gegossen oder aber mit einem automatischen Bewässerungssystem ausgestattet werden. Im Gegensatz zu großen Töpfen haben Balkonkästen für Hanfpflanzen und deren Wurzelwerk definitiv zu wenig Tiefe und Volumen. Es würde dabei viel verschenkt, die Pflanzen blieben weit unter ihrem Ertragspotenzial, da die Wurzeln in ihrem Wachstum stark limitiert würden. Und das ständige Gießen wäre ein Horror… es sei denn, man baut „späte Damen“ an, kleine weibliche Stecklinge, die erst im Spätsommer eingepflanzt werden. Grundsätzlich werden großzügig be-messene Behältnisse benötigt, mindestens 15 Liter Volumen sind bei einer langen Sommerkultur (Start: Anfang Mai bis Mitte Juni) angesagt; bei meterhohen, reich verzweigenden Pflanzen besser noch mehr — 20-30 Liter, auch wegen der Standsicherheit. Wenn man sich für Kunststofftöpfe entscheidet, sollte man zu weißen Varianten greifen, da sich schwarze Töpfe bekanntlich in der Sonne stark aufheizen und dann zu große Hitze im Wurzelbereich herrscht.
Das Medium
Balkonpflanzen stehen deutlich länger in ihren Töpfen als Indoor-Pflanzen, etwa ein halbes Jahr bei voller Sommerkultur. Das muss man bei der Zusammensetzung des Mediums berücksichtigen. Längere Wachstumszeit bedeutet auch mehr Zeit für Schadorganismen, ihre zerstörerische Wirkung anzu-setzen. Speziell bodenbürtige Pilze bedrohen die Can-nabispflanzen, besonders, wenn das Medium oft sehr Auf dem Balkon Hanf anbauen03nass ist. Hanfpflanzen sind eigentlich sehr widerstandsfähig, aber eines können sie nicht gut vertragen: Staunässe und damit luftabgeschlossene Wurzeln. Deshalb muss man bei der Mischung des Mediums eine optimale Durchlüftung und Drainage des Bodens sicherstellen — besonders, wenn es direkt auf die Töpfe regnet. Während es im Indoor-Bereich genügt, ausreichend torfhaltige Erde zu verwenden, sind für die Balkonkultur weitere Zuschlagstoffe zur Verbesserung des Lufthaushaltes wichtig. Mikroorganismen tragen mit ihrer Zersetzungsarbeit wesentlich zu einer luftigen Krümelstruktur bei. Sie sind reichlich im Kompost enthalten — der Kompost selbst ist bei optimaler Herstellung in seiner Struktur bereits locker und luftig, außerdem bringt er einiges an Nährstoffen ein. Daher ist eine Kompostzugabe von etwa 1/3 des Topfvolumens eine gute Sache. Sand ist ebenfalls gut zur Belüftung geeignet, da er das Grobporenvolumen des Mediums erhöht, was für bessere Durchlüftung und Wasserführung sorgt. Auch sein hohes Gewicht spricht für die Verwendung, zu etwa 10 %. Verwendet man handelsüblichen Vogelsand (empfohlen wegen der Reinheit), ist auf den Kalkgehalt und damit steigenden pH-Wert zu achten. Perlite (aus Vulkangestein) ist ein weiterer guter und oft in Erdmischungen verwendeter Auflockerer und mit einem Anteil von ebenfalls 10 % beizugeben. Dann noch standardmäßige Grow-Erde oder aber herkömmliche Blumenerde zu ca. 50 % — fertig ist das Balkon-Medium.
Alternativ zu Sand oder Perlite sind auch Kokosfasern als Strukturverbesserer sehr geeignet. Natürlich kann man noch organische Zuschlagstoffe zur Nährstoffverbesserung beifügen, wie z. B. Hornspäne (Stickstoff) und Gesteinsmehl, das ein besonders wertvoller Zuschlagstoff ist.
Für eine gute Enddrainage am Topfboden ist es unerlässlich, unter die Bodenmischung eine ca. 2 cm dicke Schicht aus Hydroton-Steinen oder Seramis-Granulat aufzubringen. Außerdem müssen die Töpfe natürlich ausreichend Löcher im Boden aufweisen, damit überschüssiges Wasser ungehindert abfließen kann.
Organische Düngung empfiehlt sich für eine Balkon-Kultur ganz besonders, weil die Überdüngungsgefahr weitaus geringer als mit Mineraldünger ist und es nicht zur Ablagerung von Nährsalzen an der Bodenoberfläche und den Seitenwänden kommt. Von Blaukorn-Einsatz (Dünger mit Depot/Langzeitwirkung) ist eher abzuraten, da man nie weiß, wann die Nährstoffe in welchen Mengen freigesetzt werden (weil witterungsabhängig) und wann der Nährstoffvorrat aufgebraucht ist. Besser kontrolliert und organisch mit der Gießkanne düngen, am besten im Wechsel klares Wasser und Düngerlösung. Niemals durch die Sonne ausgetrocknete Erde mit Düngerlösung gießen, Auf dem Balkon Hanf anbauen01sondern mit klarem Wasser — andernfalls können die Wurzeln verbrennen.
Bewässerung
Oft stellt sich ein großes Problem: Was tun, wenn man verreist und keiner da ist, um die Pflanzen zu versorgen? Meist geht es wohl nur um ein paar Tage, denn hingebungsvolle Grower verreisen im Sommer nicht wochenlang. Das automatische „Blumat -Bewässerungssystem hat sich bewährt. Über einen Keramiksensor in der Erde gesteuert, ziehen sich die Pflanzen von selbst das benötigte Wasser bedarfsgerecht aus dem Reservoir. Alternativ kann man sich mit Wassercontainer, Pumpe, Zeitschaltuhr und Tropfschlauch-System auch selbst eine Vorrichtung konstruieren, die in Intervallen Wasser an die Pflanzen abgibt. Bei großen, extrem durstigen Pflanzen kann es bei mehrtägiger Abwesenheit an heißen Sommertagen auch mit solchen Systemen mitunter zu Engpässen kommen. Es gibt auch eine einfache passive Lösung, die bei nicht allzu langer Abwesenheit die Pflanzen vor dem Austrocknen schützt: Man versenkt die Töpfe zur Hälfte in einer Wanne, die mit Hydro-Blähton und Wasser (Pegel unterhalb des Topfbodens) gefüllt ist. So können die Wurzeln durch die Löcher am Topfboden Feuchtigkeit aus der Wanne ziehen, wenn das Wasser im Topf verbraucht ist.
Tarnung
Glücklich ist derjenige, dem keiner auf den Balkon gucken kann, der auf Tarnmaßnahmen also verzichten kann. In der Regel ist es aber wichtig, dass die Pflanzen nicht zu hoch wachsen. Beschneidung und/oder Herunterbinden sorgt für ein horizontaleres Wachstumsmodell. Beschneiden sollte man nur in der vegetativen Phase, bis spätestens ca. zwei Wochen vorm Einsetzen der Blüte. Aber es ist ohnehin sinnvoll, die Spitze des Haupttriebs schon früh abzuschneiden, nach drei oder vier lnternodien, 0,5-1 cm über dem obersten Nodium. Die beiden Seitentriebansätze, die sich an diesem befinden, wachsen dann nach einer kurzen Übergangszeit zu neuen Top-Shoots heran, und auch die unteren Seitenzweige wachsen nach der Beschneidung deutlich lebhafter. Bei starkwachsenden Sorten und langer Wachstumszeit kann es Sinn machen, die Seitenzweige ebenfalls zu beschneiden, wie auch die beiden nach der ersten Beschneidung entstandenen oberen Leittriebe.
Wer in Sachen Sichtschutz ganz auf Nummer sicher gehen will, kann seine Pflanzen mit dünnem weißem Vliesgewebe tarnen, wie es in jedem Baumarkt zur Abdeckung von Frühbeeten erhältlich ist, auch Tomatenvlies ist sehr gut geeignet. Diese Materialien haben eine Lichtdurchlässigkeit von immerhin 70-80 %, und das reicht immer noch locker aus, vor allem, wenn die Sonne scheint. Man spannt das Vlies z. B. vom Balkongeländer bis zur Rückwand, um einen Teil des Balkons abzuschirmen. Dann allerdings müssen die Pflanzen durch entsprechende Erziehungsmaßnahmen sehr flach gehalten werden, oder man startet die Kultur erst später im Sommer, damit die Pflanzen kleiner bleiben. Eine andere Möglichkeit ist, ein Tomatenvlies-Gewächshaus aufzustellen. Solche schnell ineinandergesteckten Sets sind auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Stichwort Lichtausbeute: Wenn die Seiten- und Rückwände des Balkons nicht weiß gestrichen sind, sollte man sie bis zu einer gewissen Höhe mit weißer Folie abdecken, damit das Licht reflektiert und auf die Pflanzen zurückgeworfen wird.
In Sachen Geruchstarnung lässt sich draußen, im Gegensatz zu indoors, gar nichts machen. Blühende, harzige Cannabispflanzen sind durch keine andere Balkonpflanze zu übertünchen, wobei es natürlich besonders stark und weniger stark duftende Cannabis-Sorten gibt. Aber Duftgeranien oder Jasmin z. B. können da in keiner Weise gegen „anstinken“, und auch mehrere zwischen den Pflanzen aufgestellte Raumluft-Erfrischer können die süß-würzige Grasnote nicht verbergen.
Sortenwahl beste autoflowering sorte
Reine Sativas und Sativa-dominante Sorten wachsen in der Regel viel höher und weiter verzweigt als Indicas, was sie auf dem Balkon natürlich problematischer macht. Aber mit mehrfach angewendeten Erziehungsmaßnahmen wie Beschneiden und Herunterbinden bekommt man sie höhentechnisch auch bei langer Kulturzeit gut in den Griff. Dann aber wachsen sie mächtig in die Breite, und schon so mancher Grower-Balkon war irgendwann kaum noch betretbar… Eine Sativa-Kultur wird daher praktischerweise später gestartet als eine Indica-Kultur, Mitte bis Ende Juni reicht aus, um noch ziemlich große Pflanzen entstehen zu lassen. Ein Pluspunkt der Sativas ist die ge-genüber Indicas in der Regel geringere Schimmelanfälligkeit der Buds. Seit einigen Jahren geht es aber nicht mehr nur um die Frage, ob Sativa oder Indica: Autoflowering-Sorten mit einem Schuss Cannabis ruderalis haben bei einer Balkonkultur viele Vorteile, bei Lebenszyklen von z. B. 60 Tagen kann man mit ihnen sogar mehrere Kulturen hintereinander durchziehen, da sie unabhängig von der Tageslänge automatisch und sehr früh in Blüte gehen, deshalb auch vergleichsweise klein und unauffällig bleiben. Was zwar wiederum zu bescheideneren Erträgen der einzelnen Pflanzen führt, aber das kann man durch erhöhte Stückzahlen ausgleichen. Weiterer Vorteil der Auto-Sor-ten: Sie sind während der Blüte auch gegen Störlicht in der Dunkelphase immun, während Nicht-Autos mit Irritationen reagieren können, wenn nachts z. B. Licht aus dem Zimmer vor dem Balkon auf sie scheint.

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